Von Peter Bockelmann

Après 1944 vous êtes le premier Allemand avec lequel je parle plus que quelques mots“, sagte der Neurochirurg nach einem Gespräch von mehreren Stunden in einem Warschauer Restaurant. Er vermied es, deutsch zu sprechen: Die Kommandos der Wehrmacht seien ihm noch zu deutlich im Ohr. Nur einen ehemaligen Oberst aus Köln zitiert er wiederholt: „Verfluchter Scheißkrieg.“

„I am Jewish. I have always wanted to meet Germans to find out – their way of thinking“, sagte die junge Polin zu einem Kollegen am Abend vor der Abreise. Sie hatte mehrfach seine Gesellschaft gesucht.

„Stammen Sie auch aus unserer Republik?“ fragte der junge Komponist aus der DDR. Er verabschiedete sich umgehend.

Warschau ist nicht wie etwa Donaueschingen. Vergangenheit und Gegenwart erfordern ständig Selbstkontrolle und -reflexion.

Der „Warschauer Herbst“ ist das Festival zeitgenössischer Musik mit dem weitesten Ambitus: Das Sortiment reicht von den „Vätern der Moderne“, diesmal Bartók und Schönberg, über Beispiele des sozialistischen Realismus bis zur jüngsten Avantgarde. In diesem Jahr präsentierten während neun Tagen Ensembles aus zahlreichen Ländern, darunter allein Symphonieorchester aus Polen, Großbritannien, der Tschechoslowakei, der UdSSR und der Bundesrepublik, in 16 Konzerten mehr als 80 Werke.