Am Montag trafen sich in Bonn der stellvertretende polnische Außenminister Winiewicz und der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Duck witz, zur Fortsetzung der deutsch-polnischen Gesprächsrunde, um über einen „Vertrag ziur Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen“ zu beraten. Diese 6. Gesprächsrunde, die ursprünglich Anfang September stattfinden sollte, wurde mit Gesprächen der Arbeitsgruppen abgeschlossen.

Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen der endgültige Wortlaut der Grenzformel sowie die Regelung über eine Familienzusammenführung. Während die Bundesregierung, nach einer Äußerung Scheels in New York, bereit ist zu erklären, die Oder-Neiße-Grenze sei die polnische Westgrenze, ohne allerdings damit einer friedensvertraglichen Grenzregelung vorgreifen zu wollen, scheint die polnische Regierung auf der Anerkennung der Unverletzlichkeit der Grenzen zu bestehen.

Hinsichtlich der Familienzusammenführung vertritt die polnische Regierung die Auffassung, daß diese Frage nicht Gegenstand des Vertrages sein kann, da es sich um eine innerpolnische Angelegenheit handele. Die Bundesregierung will in den Verhandlungen die Notwendigkeit einer Übereinstimmung über den Modus der Familienzusammenführung betonen.

Der Terminplan sieht vor, daß Außenminister Scheel an der Spitze einer deutschen Delegation am 2. November 1970 nach Warschau fliegt, um in die „Hauptphase“ der Verhandlungen einzutreten.