In der Industrie hat sich nach den jüngsten Diskussionen über die Finanzierung der staatlichen „Reform“ pläne die Auffassung gefestigt, daß die zahlreichen öffentlichen Hände in der Bundesrepublik ihren Kapitalbedarf ohne Rücksicht auf die Kosten zu decken versuchen. Damit ist es für die Unternehmen ziemlich sinnlos geworden, auf niedrigere Zinsen zu warten. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Farbwerke Hoechst nun auch noch eine 81/2 prozentige Anleihe über 150 Millionen Mark aufzulegen wünschen.

Ob wir in diesem Jahr noch den Übergang vom 8V2- auf den 8prozentigen Nominalzins erleben werden, hängt ausschließlich von der Entwicklung im Ausland ab. Die US-Regierung übt zwar aus wahltaktischen Gründen (mit 5,5 Prozent wurde ein neuer Höchststand der US-Arbeitslosenquote erreicht) einen Druck auf den kurzfristigen Zins aus. Der Preis für langfristiges Kapital hat sich indessen auch in den USA nur unwesentlich verringert.

Für die Mark-Auslandsanleihen finden sich zunehmend ausländische Interessenten. Wenn sie zwischen Dollaranleihen, zu 9 oder etwas mehr Prozent oder den 8 1/2prozentigen auf Mark lautenden Anleihen zu wählen haben, entscheiden sich die Anleger zunehmend für die Anlage in Mark. Bei den Banken wird dies noch nicht als Spekulation auf die Markaufwertung Nr. 3 angesehen. Aber man sagt sich im Ausland sicherlich nicht zu Unrecht: Wenn es überhaupt eine „aufwertungsverdächtigte“ Währung ‘gibt, dann ist es die Mark! K. W.