Von Dieter Buhl

Düsseldorf, im Oktober

Im Sturm der täglichen Hiobsbotschaften aus seiner Partei steht er wie eine westfälische Eiche, leicht zerzaust zwar, aber immer noch festverwurzelt im Glauben an die Zukunft der Liberalen: Willi Weyer, Innenminister und FDP-Landesvorsitzender von Nordrhein-Westfalen. In seiner über zwei Jahrzehnte währenden politischen Tätigkeit hatte er Gelegenheiten genug, Gelassenheit und Widerstandskraft zu beweisen. Düsseldorf, Sitz der Landesregierung, war für die Freien Demokraten schon immer ein heißes Pflaster. Aber die Ereignisse der letzten Monate haben dem ehemaligen Wasserball- und Tennisspieler das letzte an Energie abverlangt. Willi Spieler kämpft um die politische Existenz; nicht nur um die eigene, sondern um die seiner Partei.

Zwei schwere Schocks hat der Landesvorsitzende in den letzten Monaten hinnehmen müssen: Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen vom 14. Juni, bei der die Freien Demokraten mit dem minimalen Stimmenanteil von 5,5 Prozent noch einmal davonkamen, und die Gründung der National-Liberalen Aktion (NLA). War das magere Wahlergebnis eine Schlappe, über die Weyer als ein gestandener Politiker hinwegkam, so hat er den Aufstand der Rechten bis heute noch nicht verwunden. Denn die Rebellen wie Zoglmann und der ehemalige Düsseldorfer FDP-Fraktionsvorsitzende Heinz Lange waren seine persönlichen Freunde. Die Enttäuschung hat Spuren hinterlassen in dem sonst so jovialen und optimistischen Minister.

Auch den Slogan, der ihm noch vor kurzem selbstbewußt von den Lippen kam – "Ich heiße Willi Weyer und bin ein Liberaler" –, kann er heute kaum noch gebrauchen. Die Flügelbildungen in der FDP lassen diese Selbstdarstellung antiquiert und nebulös erscheinen. "Die schrecklichen Vereinfacher wollen nun von ihm wissen, was für ein Liberaler er ist: ein Linksliberaler, ein Rechtsliberaler oder ein "Schaukelliberaler", ein Sozialist oder mehr ein Konservativer. Diese Fragen werden heute nicht nur an Willi Weyer gerichtet. Sie werden innerhalb und außerhalb des liberalen Lagers gestellt. Der Liberalismus soll Farbe bekennen. Das weiß auch Willi Weyer. Aber ihm bleibt keine Zeit, die ideologischen Grundlagen der Liberalen neu festzulegen. Ob mehr links oder rechts, ist für ihn nicht die Frage. Er kämpft um das Überleben der Freien Demokraten in Nordrhein-Westfalen und damit wohl um das Schicksal der gesamten Partei. Dabei verliert er sich nicht in politisch-philosophische Betrachtungen, sondern orientiert sich an der politischen Praxis.

Sie bietet ihm, trotz düsterer Anzeichen, noch etwas Trost. Weyer sieht für die FDP weiterhin die Aufgabe, "im Sinne einer modernen, liberalen Staatsprägung tätig zu werden". Er hält sie für ein nützliches Korrektiv in der Düsseldorfer Regierung und nicht nur dort: progressiv in der Bildungspolitik, retardierend in der Mitbestimmungsfrage. Ein Zweiparteiensystem in der Bundesrepublik ist für ihn noch nicht aktuell. Und er zitiert Prominente aus SPD und CDU, die ihm bestätigten, daß sie "noch nicht reif" seien für das Zweiparteiensystem.

Doch bevor Weyer diese Überzeugung dem Wähler klarmachen kann, muß er sie erst einmal in der eigenen Partei verbreiten. Im FDP-Landesverband von Nordrhein-Westfalen grassiert der nationalliberale "Spaltpilz" am stärksten. Um ihn zu bekämpfen, mußte ihn Weyer zunächst diagnostizieren. Er kam zu dem Ergebnis, daß die National-Liberalen keine geschlossene Gruppe sind, sondern sich aus verschiedenen Gründen von der FDP distanzierten: