Die Genfer Waffen- und Maschinenfabrik Hispano-Suiza – in der Bundesrepublik ein umstrittener Name – ist am Ende. Louis Birkigt, Alleininhaber der in letzter Zeit offensichtlich mit Schwierigkeiten kämpfenden Fabrik, verkauft an den größten Schweizer Waffenhersteller, die Oerlikon-Bührle-Holding, und den zweitgrößten Schweizer Maschinenkonzern, die Gebrüder Sulzer AG in Winterthur.

Wie schlecht es um Hispano-Suiza bestellt sein muß, zeigt die Tatsache, daß sich beide Unternehmen kategorisch weigerten, die Firma mit allen Verpflichtungen zu übernehmen. So mußte sich Birkigt schließlich mit dem Verkauf von Aktiven begnügen. Sulzer erwirbt das Textilmaschinenwerk in Genf-Vernier, Bührle das Stammwerk mit der Waffen- und Werkzeugmaschinenproduktion sowie die einzige noch bedeutende ausländische Tochter, die englische Munitionsfabrik British Mark.

Welchen Betrag die beiden dafür auf den Tisch legten, ist streng gehütetes Geheimnis. Sicher ist jedoch eines: teuer ist den Käufern nur der Personalbestand. Die veralteten Fabriken und der Maschinenpark, interessieren nur ganz am Rande. Sulzer etwa erklärte, höchstens noch einen Drittel der Einrichtungen weiterverwenden zu können. Die Hispano-Suiza-Transaktion ist daher wohl das drastische Beispiel für die angespannte Lage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Sulzer verfügt bei seiner Textilmaschinenfabrik in der Nähe Solothurns über gewaltige Landreserven. Ein Ausbau dieses Werkes wäre wirtschaftlich sicher vernünftiger. Er kommt jedoch nicht in Frage, da die Fabrikhallen menschenleer bleiben müßten. Vielleicht wird gerade darum der Preis so streng gehütet.

Die nochmalige Vergrößerung des umstrittenen Bührle-Imperiums – demnächst beginnt der Prozeß gegen Dr. Dieter Bührle und einige seiner Direktoren wegen illegaler Waffenausfuhr – hat natürlich in der Schweiz keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Trotzdem haben die Bundesbehörden die Übernahme im stillen gefördert. Denn die ausländischen Interessenten, die sich ebenfalls um Birkigt bemühten, hat man noch weniger gern gesehen.

Bührle hat die Konsequenzen aus seiner umstrittenen Stellung längst gezogen. Der zivile Sektor wird laufend ausgebaut. Der Anteil der Waffen am Gesamtumsatz von rund 800 Millionen Franken ist bereits auf 30 Prozent gesunken. Auch in Genf, der von Bührle übernommene Teil dürfte rund 50 Millionen zusätzlich pro Jahr bringen, will man die Werkzeugmaschinenfabrikation forcieren. Dennoch ist man gerade im Hinblick auf einen möglichen großen Flakpanzerauftrag aus der Bundesrepublik über die zusätzliche Kapazität froh.

Eines unterscheidet Bührle von Birkigt: Die Oerlikon-Bührle-Gruppe ist ein nach modernsten Methoden geführter Konzern, obwohl er sich nach wie vor im Familienbesitz befindet. Birkigt dagegen führte sein Unternehmen im alten Stil. Er war in erster Linie ein Ingenieur, der bis heute an seinen Erfindungen arbeitet. Alles Kaufmännische kam bei ihm erst an zweiter Stelle. So geriet Hispano-Suiza immer mehr in die roten Zahlen. Da Birkigts Sohn bei einem Unfall ums Leben kam, gab es keinen Nachfolger. Wie schlecht es um das Unternehmen bestellt war, zeigt die Tatsache, daß über die Hälfte der Produktion aus Lohnaufträgen bestand. Es ist daher kein Wunder, daß – wie in den Kulissen gemunkelt wird – die Schweizerische Kreditanstalt als Hauptgläubiger Birkigts am Zustandekommen des Verkaufs an vorderster Front beteiligt war. Paul Klügl