Entwicklungsminister Erhard Eppler hat sich beträchtlich in die Nesseln gesetzt, flüstert man gleich in drei Ministerien. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) möchte im Rahmen ihrer Arbeit ein System von Vollpräferenzen der Industrieländer für die Dritte Welt empfehlen. Mit diesem Problem beschäftigen sich derzeit auch die EWG-Länder. Der deutsche Entwicklungsminister Eppler erarbeitete dazu bereits seine Stellungnahme.

In dem federführenden Wirtschaftsministerium, im mitbeteiligten Auswärtigen Amt und sogar in Epplers eigenem Haus hat dieses Papier erstauntes Kopfschütteln ausgelöst. Denn Eppler der, dem AA häufig politische Motivierung in Sachen Entwicklungshilfe vorgeworfen hat, entschied nun seinerseits sehr politisch: die rechtsgerichteten Militärregime Spaniens, Portugals und Griechenlandssollen. nicht in das System der Vollpräferenzen aufgenommen werden. Das scharf linksorientierte Kuba soll nach Epplers Meinung hingegen beteiligt werden. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus, allerdings wird vermutet, daß die Stellungnahme Epplers die Ebene der Ministerialräte bald verlassen wird und daß Wirtschaftsminister Karl Schiller zusammen mit Außenminister Walter Scheel in einer konzertierten Aktion gegen Epplers Linksdrall zu Felde ziehen werden.

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In Brüssel und Bonn ärgern sich deutsche EWG-Beamte über den „Umgangston“ des deutschen EWG-Botschafters Hans-Georg Sachs. Obwohl derzeit wegen des deutschen Vorsitzes in Brüssel die Verhandlungssprache deutsch ist, parliert Sachs in allen Gremien stets nur französisch. Erbost meinte ein deutscher EWG-Beamter: „Wir wollen ja gar nicht bestreiten, daß Sachs sehr schön spricht, aber was meinen Sie, wenn die Franzosen den Vorsitz führen und ein deutscher Beamter würde deutsch sprechen. Da sagt der französische Botschafter glatt: nous parlons français. Aber Sachs will immer mit seinen Sprachkenntnissen brillieren.“ Eifriger Sachs-Nachahmer ist überdies dessen Stellvertreter, Ministerialdirigent Eberhard Bömcke. Die deutschen Beamten meinen: „Die Franzosen nehmen uns ja nicht für voll, wenn wir sie so mit ihrer Sprache hofieren.“

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Ernährungsminister Josef Ertl hat sich durch eine soziale Aktion moralische Probleme aufgehalst. Er stiftete beim Betriebsfest des Ministeriums aus eigener Tasche einen einwöchigen Urlaub für zwei Personen auf einem bayerischen Bauernhof. Die Spende brachte den Minister in peinliche Verlegenheit, denn das Los fiel ausgerechnet auf einen Witwer, der zwar eine weibliche Person mitnehmen könnte, doch Ertl will ungern als Förderer der freien Liebe abgestempelt werden. Jetzt sucht man im Ministerium einen Ausweg. In Ertls Umgebung meint man: „Er kann natürlich seine Freundin mitnehmen. Dann aber nur auf seine eigenen Kosten.“