Von Manfred Sack

Weiß der Himmel, warum sie ihre Photoapparate auf die Messe der Photoapparate mitgebracht haben, jedenfalls wohl nicht, um mit dem eigenen Photoapparat andere Photoapparate zu photographieren. Wenigstens weiß man, daß es keine Messe und keine Ausstellung gibt, auf der – die Kaufleute ausgenommen – etwa jeder dritte Besucher mit diesem Zugehörigkeitssymbol erschienen wäre, als die Photokina in Köln, die größte Photomesse der Welt. Zum Jubiläum des zwanzigjährigen Bestehens waren auf der zweijährlich stattfindenden Schau erstmals mehr ausländische als deutsche Aussteller in den weitläufigen Hallen am Rhein gezählt worden, zusammen 677 Firmen aus 24 Ländern. Am Sonntag geht die neuntägige Veranstaltung zu Ende.

Die erste Frage, die man bei solchen Anlässen stellt, bekam eine negative Antwort: Neues? Nichts Neues. Denn, so sagte der Messedirektor Krugmann, der transparente Markt erlaube keine Geheimniskrämerei. So hatte man denn wahrhaftig Mühe, in den dreizehn zum Teil zweistöckigen Hallen etwas zu finden, was es bisher nicht gegeben hat.

Dazu gehört eine Winzigkeit von Blitzwürfel, der auf eine simple gestrige Weise funktioniert: Der Blitz wird, ohne Batterie, durch einen Schlagbolzen ausgelöst, der, hervorschnellend, ein Zündplättchen zur Explosion bringt und im Prinzip das gleiche tut wie der Photograph damals, der das Blitzlichtpulver mit der Lunte zündete.

Eine andere Neuigkeit präsentierte eine Kamerafirma: ein 35-mm-Weitwinkelobjektiv, das sich um jeweils sieben Millimeter aus der optischen Achse verschieben läßt. Die Folgen trugen dem Kölner Stadtanzeiger gleich eine Schlagzeile ein: „Domtürme stürzen jetzt nicht mehr“, was bedeutet: Stürzende Linien sind vermeidbar.

Es gibt daneben ein paar Vervollkommnungen bei Diaprojektoren, zum Beispiel eine „Intimtaste“, mit der man in Gegenwart von Kindern sogenannte heikle Stellen überspringen kann, oder Arrangements mit Mischpult und Steuergerät für die Vertonung, auch ein ausgeklügeltes Diamobiliar, darunter einen Schrank, in dem gleich 10 000 Dias im Format fünf mal fünf verschwinden.

Die Stände vor allem der großen Firmen waren oft einlagert. Adrette Herren, an Tresen postiert wie Wertpapierberater in leutseligen Bankhäusern, wurden nicht müde zu erklären, zu demonstrieren, Prospekte zu verschenken. Hier fanden sich denn auch die Kamerabesitzer wieder, von denen ein Herr der Firma Leitz erzählte: „Für wenigstens die Hälfte dieser Leute, die sich nach was Neuem erkundigen, ist die Kamera nichts weiter als ein technisches Spielzeug.“ Also so etwas wie eine um den Hals gehängte elektrische Eisenbahn. „Aber das jetzt schreiben Sie bitte nicht: Sehen, nicht wahr, sehen haben die nicht einen Fatz besser gelernt.“ Wenn sie überhaupt wissen, daß man das kann, und „nicht im Anfangsstadium menschlicher Evolution hängengeblieben sind, da, wo das Auge nur ein Organ war, Gefahren zu erkennen“.