Die Nervosität der Regierung

wächst: Sie weiß nicht,

welchen Kurs sie in der

Konjunkturpolitik steuern soll

Über die konjunkturpolitische Diskussion in der Bundesrepublik kann man gegenwärtig wohl nur ein Urteil fällen: Die Verwirrung ist vollkommen. Nicht nur, daß die Fronten quer durch Parteien und nationalökonomische Schulen gehen, nicht nur, daß inzwischen jeder gegen jeden argumentiert – manchmal wechseln sogar die Teilnehmer an der öffentlichen Debatte innerhalb weniger Tage ihren Standort. Ex-Staatssekretär Klaus Dieter Arndt etwa versucht zunächst den Deutschen begreiflich zu machen, daß sie „mit der Inflation leben“ müßten, um wenig später dann der Bundesbank vorzuwerfen, sie tue nicht genug für die Stabilität, weil sie gegen eine neue Aufwertung sei.

Die Verwirrung ist besonders sichtbar – und besonders verhängnisvoll – in den Reihen der Regierung. Im Juli schien es für wenige Tage so, als habe das Kabinett sich nach monatelangen internen Machtkämpfen zu einer klaren Linie in der Konjunkturpolitik durchgerungen. Inzwischen sind alle Konturen längst wieder im Nebel verschwommen.

Welche Wirtschaftspolitik vertritt die Regierung? Da widerspricht Karl Schiller voller Nachdruck der These seines langjährigen Mitarbeiters Arndt, Preissteigerungen von vier Prozent und mehr im Jahr seien unvermeidlich. Der zweite Mann des Wirtschaftsministeriums aber springt seinem Vorgänger bei: Philip Rosenthal versucht nachzuweisen, daß die Teuerung den kleinen Mann nicht trifft, solange er „unterm Strich“ mehr übrig hat.