Die Etikette des Standes will es, daß der Autor – ein illustrer deutscher Strafverteidiger – ungenannt bleiben möchte. Seine Erfahrungen sammelte er bei dem Versuch, einen zweiundzwanzigjährigen Deutschen aus guten und gänzlich unzerrütteten Familienverhältnissen nach Deutschland zurückzuholen. Inzwischen freilich hat die schwedische Justiz für Zerrüttung einer weiteren deutschen Familie gesorgt: Udo P. sitzt seit einem Jahr im Gefängnis, weil er eine Aktentasche bei sich trug, in der Haschisch war.

In Deutschland wie in der gesamten westlichen J. Welt liest man immer wieder mit Verwunderung in Zeitungen und in Zeitschriften, wie auch in Fachblättern, in welch humaner und neuzeitlicher Art in Schweden Strafen vollzogen werden.

Schweden gilt in dieser Hinsicht als das fortschrittlichste Land der westlichen Welt und fortvon Reformern immer als Vorbild genannt.

Wenig bekannt ist, daß dieser neuzeitlichen Vollzugsordnung eine Strafgerichtsbarkeit gegenübersteht, die nach den Grundsätzen, die in Deutschland seit vielen Jahren gelten, als vorsintflutlich, autoritär und grausam anzusehen ist.

Wenn daneben noch die Strafen für manche Vergehen in Schweden gegenüber dem westlichen Europa so stark überhöht sind, daß man fast an ein autoritär regiertes Land erinnert wird, so ist die humane und fortschrittliche Vollstreckung in einem ganz anderen Licht zu sehen.

Schweden kennt keine Freilassung gegen Kaution. In Schweden muß man nicht innerhalb von 24 Stunden einem Richter vorgeführt werden.

In Schweden wird die Untersuchungshaft nur in Ausnahmefällen auf die Strafe angerechnet.