Rudolf Münemann ist nicht mehr Uhrenhändler. Der Münchener Finanzmakler verkaufte seine Uhren- und Schmuckhandelskette Ordiam GmbH dieser Tage an den Luzerner Uhrenproduzenten Erich Bucherer. Die Filialfirma war für Münemann das Erbe einer folgenschweren Geschäftsbeziehung mit dem Uhrendiscounter und Preisbrecher Leon Liput Weiss.

Der eingewanderte Ungar hatte Mitte der fünfziger Jahre mit einem kleinen Geschäft in einer Nebenstraße Frankfurts zum Senkrechtstart im deutschen Uhrenhandel angesetzt. Seine Masche: er pickte sich aus dem Sortiment preisgebundener Marken einzelne Renner wie Junghans-Uhren und Elastofix-Armbänder heraus und bot sie zu Kampfpreisen feil. Doch Weiss, der 1961 bereits 26 Filialen unterhielt, hatte sich übernommen.

Durch einen Mittelsmann stieß der populäre Preisbrecher auf Rudolf Münemann, der bereits dem Kleiderfabrikanten Alfons Müller-Wipperfürth finanziell geholfen hatte. Mit Münemanns Hilfe wurde Uhren-Weiss KG in eine Aktiengesellschaft umgegründet, an der der Finanzier zu 51 Prozent beteiligt wurde. Gleichzeitig nahm Münemann auf dem Stuhl des Aufsichtsrats-Vorsitzender Platz. Mit Energie versuchte er, Weiss zu bremsen und in die Billig-Läden auch teuren Schmuck zu lancieren.

Der zunächst stetige Anstieg der Umsätze (1962: rund 25 Millionen Mark) verlangsamte sich jedoch ein Jahr später spürbar. Die Verbindlichkeiten stiegen gleichzeitig von 14 auf über 26 Millionen Mark. Die Dividende mußte ausfallen.

Jetzt sah Münemann ein, daß alle gütlichen Versuche, Weiss die Rolle des aggressiven Preispioniers auszureden, zu keinem Erfolg führten. Im Mai 1964 berief der Finanzmann deshalb den deutschamerikanischen Rationalisierungs-Experten Karl F. Duerr in die Geschäftsleitung, wenig später setzte er Weiss mit einer Abfindung von 400 000 Mark an die Luft.

Münemann begann zu rationalisieren: Von den 78 Läden schloß er auf einen Streich 32. Dann gründete er die Firma in eine GmbH & Co. KG um und nahm als Kommanditisten Uhren- und Schmuckfabrikanten in seine Firma auf. Um die Erinnerung an Weiss ein für allemal zu tilgen, taufte er seine Laden „Ordiam“ (aus französisch „Or“ = Gold und „Diamant“).

Doch Münemanns Uhrengeschäft war kein großer Erfolg beschieden. Halben Herzens übernahm Münemann die Firma schließlich ganz. Doch die eigenen finanziellen Schwierigkeiten machten es dem Finanzmakler immer schwerer, die nötigen Investitionsgelder aufzubringen. Als der Eklat um Münemann Anfang dieses Jahres offenbar, wurde, ließ sich die Gläubiger-Bank des Finanzmäklers, die Frankfurter Industrie- und Handelsbank, einen großen Teil der Ordiam-Warenvorräte als Sicherheit überschreiben,

Den Verkauf der Ordiam an Bucherer sehen die bundesdeutschen Konkurrenten nur ungern. Sie sind sicher, daß der Schweizer die Filialkette dazu nutzen wird, seine Position auf dem deutschen Markt erheblich zu verstärken. Eg.