Zum erstenmal in der Geschichte der Nato trafen sich letzte Woche in Brüssel die Verteidigungsminister der zehn in der Euro-Group zusammenarbeitenden europäischen Nato-Länder (mit Ausnahme Frankreichs, Portugals und Islands), Ihr Thema: Wie kann die Präsenz der etwa 310 000 amerikanischen Soldaten in Europa weiterhin gewährleistet werden?

Die Verteidigungsminister beschlossen, daß ihre Staaten gemeinsam einen Teil der Lasten, die den Vereinigten Staaten durch die Stationierung Ton Truppen in Europa entstehen, übernehmen, wenn Washington zu erkennen gibt, die Zahl seiner Truppen nicht zu verringern.

Über die Höhe der Gesamtsumme wurde noch nicht im einzelnen gesprochen; man rechnet allerdings mit einem Angebot von 250 bis 300 Millionen Dollar, die nicht aus den Verteidigungsetats gezahlt werden sollen. Weiterhin sind sowohl die Verteilung der finanziellen Beiträge als auch die Form der Leistungen an die USA offen.

Verteidigungsminister Schmidt soll erklärt haben, daß die Bundesrepublik zwar etwa die Hälfte des Betrages übernehmen könne, auf keinen Fall aber die Mannschaftsstärke der Bundeswehr erhöhen werde. Großbritannien und einige andere Länder hingegen sollen stärker an einer Erhöhung ihrer eigenen Truppenstärken interessiert sein, während Griechenland und die Türkei allenfalls mit symbolischen Gesten aufwarten könnten.

Das finanzielle Angebot der europäischen Länder wurde besonders im amerikanischen Senat als unzureichend und unangemessen aufgenommen. Während Senator Charles Percy den vorgeschlagenen Jahresbeitrag als „unrealistisch und indiskutabel“ bezeichnete, erklärte Senator Pearson, er werde auf eine schnelle Reduzierung der Truppen in Europa drängen. Gegenwärtig gibt das Pentagon etwa sieben Milliarden Dollar jährlich für die in Europa stationierten Truppen aus.

Nicht berührt würde von diesem multilateralen Zahlungsvergleich das deutschamerikanische Devisenausgleichs-Abkommen, das am 30. Juni 1971 ausläuft und durch das etwa 80 Prozent der jährlichen amerikanischen Devisenverluste abgedeckt werden.