Die Bekämpfung von Rauschgiften ist ein beinahe so gutes Geschäft wie der Handel mit Rauschgiften.

Gore Vidal, in der Nero York Times

vom 26. September 1970

Janis Joplin

Das Publikum war ihr Aufputschmittel, sie hat das Publikum verrückt gemacht; sie war eine Wilde, die sich auf der Bühne vollkommen verausgabte, sich ihrem Gefühl vollkommen überließ, rauschhaft und rotzfrech, ekstatisch und expressiv, und ihr langes braunes Haar verdeckte wirr und verfilzt ihr Mädchengesicht – und jetzt ist sie tot: Janis Joplin, die ganz sicher beste weiße Bluessängerin der letzten Jahre, ein aufwühlendes – und selber sehr aufgewühltes – Talent. John Cook, der Gitarrist ihrer „Janis Joplin Full Tilt Boogie Rock Group“, hat sie am Wochenende leblos in ihrem Hollywooder Hotelzimmer gefunden, dem Arzt waren eine Anzahl von Nadeleinstichen an ihrem Körper aufgefallen – nichts, um ratlos zu sein. „Getting stoned, staying happy, and having a good time“ war ihre Antwort auf die Frage nach ihrer Lebensart. Ihr Lebensweg war nicht untypisch: Sie war schon als Teenager aus dem Elternhause ausgebrochen, hatte in Bars getingelt, bis sie ein Freund für seine Band „Big Brother and the Holding Company“ engagierte; von ihrem Debüt sagte Janis Joplin: „Ich weiß gar nicht, was passiert ist. Ich bin einfach explodiert. Ich habe niemals so gesungen...“ Ihr Organ war gewaltig, ihre Musikalität bedeutend, ihre Ausdrucksfähigkeit überwältigend und noch im „lautesten Geschrei“ differenziert. Am Ende erfüllte sich ihre Lebensphilosophie: „Sich einen ansaufen und fröhlich sein“ oder: „Lebe schnell, liebe intensiv, stirb jung.“ Sie ist 28 Jahre alt geworden.

Jella Lepmann

Im Alter von 79 Jahren starb am Wochenende in Zürich Jella Lepmann, die sich auf internationaler Ebene um das Jugendbuch entscheidende Verdienste erworben hat. Die in Stuttgart gebürtige Journalistin emigrierte 1936 nach England, später in die USA und kam 1945 als „Reeducation officer“ nach Deutschland zurück. Sie gründete die „Internationale Jugendbibliothek“ in München und war mitverantwortlich für die Schaffung des „Hans-Christian-Andersen-Preises“ für das Jugendbuch.