Was Deutschlands Sozialdemokraten sich tunlichst verkniffen, verwirklichten Dänemarks marktwirtschaftskonforme bürgerliche Koalitionsregierung unter Hilmar Baunsgaard und – dadurch ermutigt – wenige Tage später auch Schwedens Sozialdemokraten: Um die ins Schleudern geratene Konjunkturpolitik wieder in den Griff zu bekommen, verhängten sie einen allgemeinen Preisstopp für Waren und Dienstleistungen.

In Dänemark sollen die Preise und Gewinne auf den Stand vom 21. September eingefroren werden. Mit dieser Maßnahme, die bis Ende Februar 1971 in Kraft bleiben soll, will Baunsgaard sich erst einmal eine Atempause verschaffen. In der Zwischenzeit erwartet die Regierung vom Parlament „weiterreichende Maßnahmen zur Sicherung der Stabilität, der Preise, Löhne und Produktionskosten“.

Baunsgaard schlug in diesem Zusammenhang die Abschaffung der in Dänemark üblichen automatischen Anpassung der Löhne an den Lebenshaltungskostenindex vor. Um Zweifel an den Wirtschaftskünsten seiner Regierung zu tilgen, verlegte sich der Ministerpräsident in seiner Parlamentsrede auf den Ton einer Gardinenpredigt: Dänemark müsse jetzt den Preis für den überstürzten Aufbau einer Wohlstandsgesellschaft unter Mißachtung der wirtschaftlichen Konsequenzen zahlen. Damit knüpfte er an Vorwürfe an, die er bereits während des Wahlkampfes seinen Vorgängern machte.

In Schweden werden die Beschlüsse einen Monat länger in Kraft bleiben als in Dänemark. Ihnen sollen weitere Maßnahmen folgen, die der schwedische Finanzminister für die nächsten Wochen bereits angekündigt hat. Seit einem Jahr jongliert Stockholm mit Restriktionsmaßnahmen. Im Herbst 1969 führte der Rückgang der Währungsreserven zu einer teilweisen Entliberalisierung des Kapitalverkehrs mit dem Ausland. Wenig später folgte eine Verschärfung der Kreditpolitik, der sich im Frühjahr 1970 in Form einer Investitionssteuer in Höhe von 25 Prozent auch ein Baustopp anschloß.

Doch die Eingriffe reichten nicht, den Teufelskreis zu brechen. Automatisch wachsende Sozialausgaben erzwingen eine sich ständig fortsetzende Ausgabenexplosion und damit ein steigendes Defizit im Staatshaushalt. Der Preisstopp ist nun der vorläufig letzte und energischste Tritt auf die Bremse – mit Gefahren, die eine solche Roßkur beinhaltet.

Warnte doch just dieser Tage ein deutscher Gesinnungsgenosse vor den Gefahren von Preis- und Lohnstopps. Karl Schillers früherer Staatssekretär und jetziger Präsident des Berliner Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Dieter. Arndt, sprach von der „gefährlichen Popularität“ solcher Maßnahmen. Und schon erinnert Schwedens liberale Zeitung Dagens Nyheter an die Gretchenfrage: Folgt dem Preisstopp jetzt auch ein Lohnstopp? bke