Was hat den Berliner Rechtsanwalt Mahler zu seinen Irrsinnstaten bewogen? Vorerst bleibt es im dunkeln. Seine Maskierung, die durchgeladene Pistole, der schwere Verdacht, daß er bei einem Raubüberfall und bei einem Mordversuch beteiligt war – das alles ist unerklärlich. Es mag das Publikum zu süffisanten Kommentaren animieren, in denen der einstige Staranwalt der Linken entweder zum „Kriminellen, der er schon immer war“, oder zu einem „Fall für den Psychiater“ gestempelt wird.

Aber seien wir gerecht. Unter den vielen, die nach den Berliner Schah-Demonstrationen und nach dem Tode Benno Ohnesorgs für Reformen in Justiz und Gesellschaft eintraten, war auch der Sozialist Mahler. Und es waren nicht die Schlechtesten, die ihn damals unterstützten, auch finanziell, damit er vor Gericht Demonstranten verteidigen konnte, die in die Mühle der Justiz geraten waren. Seine Auftritte vor Gericht, seine Verteidigung von Teufel und Langhans haben manche Schwächen unseres Gerichtsverfahrens bloßgelegt und vielen die Augen geöffnet. Dies alles bleibt, und es bleibt unbestritten.

Am Ende ergab sich Mahler der Wahnsinnskoalition mit den Pseudo-Guerilleros von Berlin. Warum? Wir wissen es nicht. Er stand dieser Gesellschaft feindlich gegenüber, gewiß. Doch wußte er auch, daß man – so erklärte er unumwunden noch vor zwei Jahren – „in dieser Gesellschaft leben und arbeiten muß, solange sie besteht“. Die Alternative sei Selbstmord.

Sein Pakt mit den Desperados, sein Spiel mit Perücken und geladenen Pistolen – es war Mahlers Art, Selbstmord zu begehen. v. K.