Bis vor kurzem wir es ein Haus wie viele andere in diesem Stadtviertel. Von der altersgrauen Fassade blätterte der Putz ab, Käfer und Schwamm breiteten sich im morschen Gebälk aus, in den Wohnungen fehlten ladet und Zentralheizungen, im mufigen Treppenhaus knarrten die schiefgetretenen Stufen bei jedem Schritt, im modrigen Keller stapelte sich längstvergessener Hausrat.

Heute präsentiert sich das 70 Jahre alte Haus in der Kielortallee 21 in Hamburg-Eimsbüttel als ein gepflegter Altbau mit Komfortwohnungen. Schäbige Öfen wichen modernen Elektrospeicherheizungen, düstere Abstellriume und handtuchschmale WCs verwandelten sich in farbenfroh gekachelte Bider, schmale Fenster verbreiterten sich zu ansehnlichen Glasfronten, und Zimmer mit einst 3,30 Meter hohen Stuckdecken gewannen durch Herunterziehei der Decken an Gemütlichkeit. Im Keller sind. Hobbyräume und eine Sauna installiert, und alle Wohnungen haben moderne Einbauküchen.

Seine Verjüngung verdankt das um die Jahrhundertwende geborene Haus einem Einfall der Hamburgischen Electrizitätswerke (HEW), die erstens demonstrieren wollten, welche Möglichkeiten es für die Sanierung von Altbauten gibt, und die – zweitens – an Hand von praktischen Beispielen für Elektroheizungen werben wollten. Zwei; Hamburger Architekten, Gert und Günther Frank, machten ein passendes Gebäude mit einem interessierten Eigentümer ausfindig und entwarfen die Umbaupläne.

Obgleich der monatelange Umbau mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden war, blieb ein Teil der Mieter der acht Ein- bis Vierzimmerwohnungen während der Bauzeit im Haus. Ihr Lohn: eine modernisierte Komfortwohnung zum alten Mietzins. Zu diesen standhaften Hausbewohnern gehört der Senior der Mieter, ein alleinstehender 93jähriger Herr, der nun eine praktische Parterrewohnung erhielt. Mieter, die der Bauzeit aus dem Wege gehen wollten, erhielten eine passende Wohnung in einem HEWeigenen Haus

Fünf der acht Wohnungen sind – bis Ende November – jeden Nachmittag kostenlos zu besichtigen. Nach den Entwürfen der Innenarchitektin Gerlinde Meinhardt wurden sie komplett möbliert – von der Geschirrspülmaschine bis zum himbeerroten Couchkissen. An der Ausstattung wirkten über 100 Firmen mit, die gern die Gelegenheit zu einer permanenten Ausstellung nutzten.

Die ausgestellten Wohnungen sind bereits alle fest vermietet. Die Anregungen lassen sich aber ebensogut in anderen Altbauten verwirklichen. Die Renovierung der acht Wohnungen kostete insgesamt 600 000 Mark. Davon bezahlte der Hauseigentümer 130 000 Mark. Die Ausstellung ist das erste Experiment dieser Art in der Bundesrepublik.

Eva Krauss

Der nächste Grundstücksmarkt erscheint in der Nummer 45 vom 6. November. Verantwortlich: Dr. Ingeborg Zaunitzer-Haase