Von Ben Witter

Abschlag und Loch liegen bis zu fünfhundert Meter auseinander: Im zerknautschten Trenchcoat mit herunterhängenden Armen, verläßt ein Spieler den 54 Hektar großen Golfplatz am Falkenstein in Blankenese. Er geht an der Bushaltestelle vorbei. Es ist die Endstation der Linie 286.

Ich gehe in den Falkenstein. Der Falkenstein beschreibt einen Halbkreis um den Tafelberg. Ein Fußgängerweg fehlt. Geteert ist die Straße. Aber Straße kann man nicht sagen. Sie wirkt wie eine Auffahrt. Von ihr gehen wieder Auffahrten ab, die zu den Häusern führen. Fichten überragen Buchen. Jedes Haus zur linken Seite hat Elbblick. Über die Elbe geht der Blick auf die Harburger Berge.

Der Falkenstein mündet in den Grotiusweg. Eine Auffahrt führt zu einem Haus, das im englischen Landhausstil gebaut wurde: Neben der Auffährt, die wie eine Allee aussieht und von Buchen eingefaßt ist, ein Strohdachhaus. Vor dem Krieg war es ein Stall für Reitpferde und Polo-Ponys. Inzwischen sind. aus den Boxen Zimmer geworden. Der Hausmeister bewohnt sie.

Der Fußgängerweg im Grotiusweg ist schmal. Ich gehe an drei weiteren Besitzungen vorbei, Die Auffahrten sind breiter als der Grotiusweg. Der Grotiusweg ist eine Durchgangsstraße.

Der Falkenstein steht unter Landschaftsschutz. Parzellierungen der Grundstücke werden nicht gestattet. Ein Grundstück ist über 40 000 Quadratmeter groß. Die mittleren Grundstücke haben 10 000 bis 20 000 Quadratmeter. Namenschilder fehlen. Ein Haus hat Säulen. Allegorische Kommentare würden dazu passen. Aber die Fassade ist glatt. Nichts wird beschönigt.

Dreißig Häuser stehen am Falkenstein. Vierundzwanzig blicken auf die Elbe. Die nachbarlichen Beziehungen sind seit Kriegsende unverändert. Man kennt einander und läßt sich in Ruhe. Ausnahmen bestehen. Zu Beerdigungen kommen alle.