Von Hans Otto Eglau

Hoch über den Wolken, in seinem achtsitzigen Privat-Jet vom Typ Hawker Siddeley, rechnet er auf einem elektrischen Tischrechner Kosten und Preise aus.

Zu Hause auf seinem Landgut Lambermont bei Verviers tippt er manchmal sogar noch nachts Anweisungen an seine Mitarbeiter eigenhändig in den Fernschreiber.

Und an den Wochenenden pflegt er im Rolls-Royce seine Läden anzusteuern, um mit Hilfe eines Nachschlüssels zu kontrollieren, ob die Lagar. gut sortiert sind und am Freitagabend die Ladenkasse auch wirklich bis auf den letzten Pfennig zur Bank gebracht wurde.

Alfons Müller-Wipperfürth, 59, darf für sich in Anspruch nehmen, unter Deutschlands Konzernherren der gründlichste zu sein. Bis in den kleinsten Winkel regiert der nach dem Krieg als kleiner Hosenschneider gestartete Rheinländer sein zwischen Kappeln an der Ostsee und Oberitalien, Lüttich in Belgien und Neufelden in Österreich verstreutes Reich aus 14 Fabriken – Spinnereien, Webereien und Konfektionsbetrieben – und 224 Läden. Seine Herrschaft übt der nimmermüde Groß-Fabrikant wie einst Karl der Große aus: im Umherziehen. Nach einem minutiös ausgeklügelten Reiseplan durchkämmt Müller-Wipperfürth teilweise mehrmals die Woche seine Werke, um nach dem Rechten zu sehen.

Und noch immer hat der mobile Textil-Industrielle (Verbraucher-Umsatz 1969: 172 Millionen Mark) nicht genug: Erst kürzlich nahm er im Tessin eine neue Fabrik für die Produktion von Hemden und Anoraks in Betrieb. Im Industriepark von Alleur unmittelbar an der Autobahn Lüttich–Brüssel, wo er vor zwei Jahren die Führungszentrale seiner Unternehmensgruppe ansiedelte, rundet er seinen Gebäude-Komplex jetzt durch eine Großraum-Halle ab, in die sein zur Zeit in Wipperfürth untergebrachter Zuschneidebetrieb einquartiert werden soll.

Gleichzeitig will der ehrgeizige Kleider-Fabrikant neue Absatzwege erschließen. In einem Seitentrakt seiner belgischen Firmen-Zentrale testet Müller-Wipperfürth zur Zeit ein im kostensparenden Discount-Stil konzipiertes „Shopping-Center“, das er als Ergänzung zu seinen Innenstadt-Läden an markanten Verkehrsknotenpunkten im Einzugsbereich großer Städte serienmäßig einrichten will. Sogar mit einer Cafeteria will Alfons Müller-Wipperfürth Erfahrungen sammeln.