Nur einer brachte zur „Konzertierten Aktion“ die Noten mit: der Deutsche Gewerkschaftsbund. Als sich letzten Freitag Unternehmer und Gewerkschafter bei Wirtschaftsminister Schiller in Bonn zur Gesprächsrunde einfanden, legten die Arbeitnehmervertreter ihre Projektion bis 1975 auf den Tisch. Dagegen wollen die Unternehmervertreter erst in der nächsten Gesprächsrunde ihre Zielvorstellungen vorlegen.

In seinen Thesen zur wirtschaftlichen Lage stellt der Bundeswirtschaftsminister fest, die konjunkturelle Entwicklung laufe in der angestrebten Richtung einer Entspannung. Die Auflockerung habe naturgemäß noch wenig Wirkungen auf die Preise. Eine nachhaltige Beruhigung der Preisentwicklung sei ohne Risiko für die Sicherheit der Arbeitsplätze nur möglich, wenn die Unternehmer und die Tarifvertragsparteien den sich anbahnenden konjunkturellen Klimawechsel bei ihrer Lohn- und Preispolitik rechtzeitig in Rechnung stellten.

Im kommenden Jahr – so schließt sich denn auch der DGB in seinem Konzept dem des Wirtschaftsministers an – wird sich die Konjunktur der Bundesrepublik in ruhigeren Bahnen als bisher bewegen. Aber auch die Zuwachsraten der Einkommen werden gegenüber diesem Jahr weniger kräftig steigen. Der DGB meint sogar, daß die Steuervorauszahlungen bereits 1971 wieder zurückgezahlt werden können.

Nach Berechnungen der Gewerkschaften wird das Bruttosozialprodukt in den Jahren bis 1975 um jeweils 7,5 Prozent steigen. Es wird dann 1975 bei 965 Milliarden Mark stehen. Voraussetzung ist allerdings, daß die Preise des privaten Verbrauchs nur noch um jährlich zwei Prozent klettern.

Löhne und Gehälter werden nach der Schätzung 1971 um 10,4 Prozent steigen, in den folgenden Jahren um etwa neun Prozent. Bei den Unternehmereinkommen und Vermögen erwartet der DGB ein Plus von 4,4 Prozent im nächsten Jahr und danach von durchschnittlich 5,5 Prozent.

Für die Verwendung des Sozialprodukts projiziert der Gewerkschaftsbund einen um neun Prozent erhöhten Privatverbrauch und einen um elf Prozent erhöhten Staatsverbrauch. Diese Relation wird sich nach Schätzung des DGB bis 1975 etwa halten.

Eine Verbesserung der Kredite für die Wirtschaft sowie ein Verzicht auf alle Ausgabenkürzungen im Bundeshaushalt 1971 sind nach Ansicht des DGB wichtige Erfordernisse, um Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum zu sichern, Weiterhin schlägt der Gewerkschaftsbund Maßnahmen zur Stabilisierung des Preisniveaus vor. So einen vorübergehenden Mietstopp, Verbot der Preisbindung und die Einführung einer Genehmigung für Unternchmerzusammenschlüste. gf