Von Kai D. Eichstädt

Die schwerste Niederlage ihrer Geschichte mußte die Schweizer Uhrenindustrie vor fast zehn Jahren einstecken. Ein Schweizer Ingenieur hatte damals einen neuen Antrieb für Armbanduhren entwickelt – die Stimmgabel. Der Eidgenosse verkaufte das Patent an den amerikanischen Uhrenkonzern Bulova. Seitdem kam die technologisch modernste Uhr – Bulovas Accutron – nicht mehr aus der Schweiz; nur in der Accutron-Uhr von Bulova wurde das Zählwerk von einer Mini-Stimmgabel angetrieben.

Doch die Schweizer Uhrmacher tüftelten unverzagt weiter an einer noch genaueren Armbanduhr. Nach sechs Jahren geheimnisvoller Arbeit und mit rund zwanzig Millionen Franken für Forschung und Entwicklung erreichten sie ihr Ziel.

Vor zwei Jahren auf dem 102. Internationalen Chronometer-Wettbewerb in Neuenburg kündigte das Centre Electronique (CEH) – ein Forschungsinstitut der gesamten Schweizer Uhrenindustrie – eine Uhr an, die während eines Jahres nur noch eine Minute von der genauen Zeit abweicht – die Accutron-Uhr verliert oder gewinnt eine Minute innerhalb eines Monats.

Dem CEH war es gelungen, den konventionellen mechanischen Antrieb durch ein Kristall zu ersetzen. Bei dem neuen Antrieb wird ein. winziges Quarzkristall über ein elektrisches Feld in konstante mechanische Schwingungen versetzt; eine Technik, die im Großuhrenbau bereits ihre Überlegenheit bewiesen hat. Die Schwierigkeit, die das CEH überwand, war die Verkleinerung auf Armbandformat.

Inzwischen stellt das CEH monatlich 500 Werke für Quarz-Armbanduhren her, die an die Mitgliedsfirmen verteilt werden. Zwei renommierte Schweizer Uhrenfirmen, Omega und Longines, haben außerdem eigene Quarz-Werke entwickelt und sind damit von der begrenzten Kapazität des CEH unabhängig.

Freilich, wenn Ende des Jahres die ersten Quarzuhren schweizerischer Provenienz auf den Markt kommen, wird die Konkurrenz gleichgezogen haben: Spätestens zu Weihnachten bringt Japans größter Uhrenkonzern (Seiko Hattori) ebenfalls eine Quarz-Armbanduhr heraus.