Seit Beginn dieser Woche verhandeln in Quebec der Kontaktmann der Provinzregierung, Robert Demers, und der von der „Front de Liberation du Quebec“ (FLQ) benannte Rechtsanwalt Robert Lemieux, der im Sonntag vorübergehend festgenommen worden war. Es geht um die Freilassung des britischen Handelsattaches in Kanada, James Richard Cross, und des Arbeitsministers der Provinz Quebec, Pierre Laporte. Die Befreiungsfront für die Unabhängigkeit der französischsprachigen Provinz Quebec (FLQ) hatte die leiden Männer in der vergangenen Woche entführt.

Die beiden Politiker befinden sich in der Gewalt zweier voneinander unabhängiger FLQ-Zellen. Sie fordern übereinstimmend die Freilassung von 23 Häftlingen, die wegen politischer Terrorakte verurteilt oder angeklagt sind, sowie die Einstellung der polizeilichen Fahndung. Die Entführer Laportes verlangen zusätzlich 500 000 Dollar Lösegeld, Namen und Bild eines Informanten der Polizei und Veröffentlichung von FLQ-Propaganda.

Die FLQ soll in einem am Dienstag aufgefundenen Kommuniqué als letzten Termin Mittwoch, 14. Oktober 1970, 5 Uhr MEZ, gesetzt haben. Andernfalls würden die beiden Geiseln hingerichtet.

Robert Bourassa, Premierminister der Provinz Quebec, ist bisher auf die Forderungen der Befreiungsfront nicht eingegangen, trotz eines Appells von Laporte:

„In Ihren Händen liegt die Entscheidung, ob ich lebe.“ In einer Erklärung der „Nelson“-Zelle der Befreiungsfront vom Dienstag werden weitere Terrorakte angekündigt.