Die „Bielefelder Bombe“, die Bundeskanzler Brandt am 3. Juni gelegt hatte, ist entschärft. Elf Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte Brandt der CDU-Führung vorgeworfen, sie habe die Industrie zu besonderer Härte gegen Lohnforderungen animiert, um damit wilde Streiks zu provozieren. Das war eine ungeheure Unterstellung. Sie löste Proteste der Union und der Industrie aus.

Aber in Bonn wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. In dem Vergleich, der vier Wochen vor der nächsten Landtagswahl geschlossen wurde, nimmt der Kanzler die Bielefelder Behauptung zurück, die CDU den Vorwurf der Diffamierung. Eine späte, aber noble Geste. Man mag dem Kanzler ankreiden, daß er so hartnäckig an seiner Behauptung festhielt, obwohl schon bald klargeworden war, in welch alkoholgeschwängerter Atmosphäre sein Zuträger Wischnewski die Information dazu erhalten hatte; ein schnelleres Eingeständnis wäre ehrenvoller gewesen. Doch dazu konnte sich Willy Brandt wohl auch aus Verpflichtung gegenüber dem Wort eines Mitarbeiters nicht entschließen.

Die Klage endete wie alle Gerichtsverfahren dieser Art: mit der Erleichterung der Politiker, daß sie ihr Gesicht mehr oder minder gewahrt haben, und mit der Ernüchterung der Öffentlichkeit, deren Vertrauen in politische Aussagen nicht gerade gefördert wurde. D. B.