In der Ausgabe der ZEIT Nr. 39 vom 25.9. 1970 wird auf Seite 11 behauptet, „um Klein und Grantz, die beiden Vorsitzenden des vor einem Jahr in Sachen Baulandskandal eingesetzten parlamentarischen Untersuchungsausschusses, war in der vergangenen Woche eine Affäre inszeniert worden, die selbst jenen Leuten den Atem verschlägt, die an Bremer Skandale gewöhnt sind wie an ihren Morgenkaffee. Der Inszenator des neuen Debakels heißt Wolfgang Müller...“

Diese Tatsachenbehauptung ist unzutreffend. Richtig ist vielmehr folgendes:

Ich nahm am 29. 7. 1970 an einer Zusammenkunft sozialdemokratischer Mitglieder des Untersuchungsausschusses in Sachen Baulandaffäre teil. Am Ende der Zusammenkunft wurde beiläufig von den fünf anwesenden Mitgliedern die Frage erörtert, ob diese als entschädigungsfähige Sitzung abgerechnet werden könne. Die Mitglieder waren übereinstimmend der Auffassung, daß dies nicht zulässig sei. Ich bin hierüber weder gefragt worden noch habe ich mich überhaupt zu dem Problem geäußert. Bei dieser Gelegenheit hörte ich allerdings beiläufig eine Äußerung des Abgeordneten Grantz, wonach der Abgeordnete Klein derartige Sitzungen angeblich abrechne. Ich hatte dieser beiläufig gefallenen Bemerkung keinerlei Bedeutung beigemessen, da es für mich völlig abwegig war, daß der Abgeordnete Klein sich einer Inkorrektheit bei der Abrechnung von Sitzungsgeldern zuschulden kommen lassen werde. Darüber hinaus konnte ich davon ausgehen, daß die mit der Überprüfung der jeweiligen Abrechnung befaßten Beamten der Bremischen Bürgerschaft eine derartige unkorrekte Abrechnung sofort entdecken würden, da ihnen mit Sicherheit aufgefallen wäre, wenn nur die 4 CDU-Mitglieder des Untersuchungsausschusses eine Sitzung abgerechnet hätten, ohne daß die gem. § 2 des Entschädigungsgesetzes erforderliche Bestätigung des Fraktionsvorsitzenden vorgelegen hätte.

Am 7. 9. 1970 wurden mir von den sachbearbeitenden Beamten der Bürgerschaftsverwaltung die Abrechnungen des Abgeordneten Klein für den Monat Juli 1970 vorgelegt. Die Oberprüfung der Abrechnung ergab, daß der Abgeordnete Klein in dem Abrechnungsbogen für Juli 1970 seine Einzelarbeit bei der Fertigung des Berichtes als „Untersuchungsausschuß-Unterkommission“ deklariert hatte und dadurch die sachbearbeitenden Beamten der Bürgerschaft veranlagte, ihm gesetzwidrig „Sitzungs“-Gelder anzuweisen.

Am folgenden Tage unterrichtete ich meinen unmittelbaren Dienstvorgesetzten, den amtierenden Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Herrn Vizepräsidenten Dr. Klink, über die von mir getroffenen Feststellungen.

Ohne daß ich irgendeinen mittelbaren oder unmittelbaren Einfluß auf die weitere Behandlung der Angelegenheit hatte, unterrichtete Vizepräsident Dr. Klink den stellvertretenden Vizepräsidenten Dr. Zander (CDU) über die Angelegenheit. Die beiden Vizepräsidenten informierten wiederum davorstand der Bremischen Bürgerschaft. Dieser schließlich unterrichtete die Fraktionsvorsitzenden.

Die weitere Behandlung der Angelegenheit nach der pflichtgemäßen Unterrichtung meines unmittelbaren Dienstvorgesetzten, insbesondere auch die spätere Unterrichtung der Fraktionen und die Mitteilungen an die Presse, lag allein im Entscheidungs- und Verantwortungsbereich der Präsidenten und des Vorstandes der Bremischen Bürgerschaft.