In Niedersachsen wird weitergebaut. Letzte Woche gab es im Hannoverschen Landtag einen „Hammelsprung“: 73 Landtagsabgeordnete waren dagegen, 71 dafür, daß der Baubeginn von neun Einzelobjekten für neue Hochschulen in Göttingen, Braunschweig und Hannover – Bauvolumen rund 971,1 Millionen Mark – weiter hinausgezögert wird.

Das steckt dahinter: Im Jahre 1967 schloß die „Niedersächsische Hochschulbaugesellschaft mbH“, deren Hauptgesellschafter das Land Niedersachsen ist, einen Vertrag mit der gewerkschaftseigenen Unternehmensgruppe „Neue Heimat“ ab. Darin wurde vereinbart, daß die Neue Heimat für insgesamt 971,1 Millionen Mark in Göttinigen, Hannover und Braunschweig etwa 55 neue Universitätsgebäude bauen und zahlreiche andere renovieren sollte.

In einer Zusatzabsprache hieß es, die Einhaltung dieser garantierten Baukostensumme könne nur dann endgültig sichergestellt werden, wenn in ständigen Verhandlungen die – in Einzelheiten offene – Baugestaltung etwaigen Änderungen am Bau- und Kreditmarkt angepaßt würde.

Die Preise am Baumarkt kletterten unentwegt. Ein endgültiges „Raumprogramm“ für den Hochschulneubau war nicht festgelegt worden. Die Neue Heimat konstatierte Mitte dieses Jahres, daß seit Anfang 1969 Baupreissteigerungen von durchschnittlich 22,5 Prozent zu verzeichnen seien. Neun Prozent davon wollte die Unternehmensgruppe selbst auffangen, mit 14,5 Prozent hingegen – weit über 100 Millionen Mark – müsse das Land zu Kasse gebeten werden.

Überdies stellte sich heraus, daß der Niedersächsische Landtag – als er 1967 den Finanzplan mit dem Gesamtvolumen von 971 Millionen Mark akzeptierte – von viel zu niedrigen Landerschließungskosten ausgegangen war. Irgend jemand hatte sich ganz gewaltig verkalkuliert. Statt der ursprünglich angesetzten 26 Millionen muß hier mit rund 130 bis 180 Millionen Mark gerechnet werden. Gesamte Uni-Mehrkosten: rund 215 Millionen Mark.

Die Neue Heimat war immer noch bereit, die bestellten Hochschulgebäude für die ursprünglich angesetzten 971 Millionen Mark zu bauen. Sie weigerte sich freilich, zusätzlich ein medizinisches Klinikum – Kostenpunkt rund 65 Millionen Mark – in diesen Kostenrahmen einzubeziehen. Ihr Vorschlag: Erstellung der geplanten Uni-Gebäude und -Anlagen in durchaus funktionsfähiger Ausführung. Einsparungen sollten durch Abstriche an Umfang und Ausstattung erzielt werden.

Solcherlei Einsparungsvorschläge erschienen indessen der Hochschulbaugesellschaft, die als „Bauherr“ fungiert, nicht akzeptabel. Die Niedersächsische Landesregierung verlangte für den Hochschulbau „optimale Lösungen“. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft war der Meinung, der Landtag müsse um die Bewilligung zusätzlicher Haushaltsmittel gebeten werden.