In der Zeitung stand, daß zwei Kulturbeamte die „Transaktion“ geschickt und mit Glück durchgeführt hätten. Infolgedessen kann man jetzt im Archäologischen Museum von Dijon ein goldenes Armband bewundern, wie es ein zweites dieser Art in Frankreich nicht gibt. Aber was wäre passiert, wenn die Kulturbeamten nicht so viel Glück bei ihrer Transaktion gehabt hätten?

Das Armband ist, so schreibt die Zeitung, aus massivem, achtzehnkarätigem Gold. Es hat einen Durchmesser von hundertdrei Millimetern, ist vierunddreißig Millimeter breit und besteht aus drei Reifen, von denen zwei gedreht sind und einer glatt ist.

Dies alles hätte der ehrliche Finder wohl aus eigenen Stücken herauskriegen können. Er fand das Armband, als er mit dem Bulldozer in einem Feld arbeitete. Obwohl er nichts weiter als ein Landarbeiter ist (obendrein heißt er auch noch Piechatzeck), hätte er wohl erfahren können, daß dies Gebiet in Burgund, „Côte-d’Or“ genannt, nicht nur durch seinen Wein, sondern auch durch vorgeschichtliche Funde berühmt ist. Schließlich hätte der Besitzer des Feldes (Monsieur Bollet) es ihm vielleicht sagen können. Aber aus welcher Zeit das Armband stamme und wie hoch, sein kultureller Wert sei, das konnte weder Herr Bollet noch Herr Piechatzeck wissen.

Hätten sie es erfahren, so hätten sie vielleicht nach Amerika einen Brief geschrieben oder in ein anderes Land, wo reiche Leute wohnen: So und so, wir haben ein keltisches Armband aus dem siebten Jahrhundert vor Christus. Und nun kommen Sie mal mit Ihren Angeboten! Das Stück ist einmalig, und wir wissen Bescheid.

Es ist also, anzunehmen, daß unter diesen Umständen das goldene Armband nicht so leicht in Frankreich geblieben wäre. Und wenn in Frankreich, nicht so leicht in Dijon.

Die Experten der provinziellen und städtischen Kulturbehörden, denen das Armband. zur Begutachtung vorgelegt wurde, sind jedoch mit ihren Auskünften sehr sparsam gewesen. Sie haben auch keinen Wert auf Zeitungsmeldungen; über den außergewöhnlichen Fund gelegt. Ihre „Transaktion“ bestand im wesentlichen darin, daß sie das deutsche. Sprichwort befolgten: „Reden ist Silber, Schweigen, ist Gold.“

Jetzt endlich sagt die Zeitung anerkennend, dank ihres geschickten Verhaltens sei das Meisterstück keltischen Kunstgewerbes, das eintausenddreihundert Gramm schwere Armband den Behörden der Stadt Dijon nicht übertrieben teuer zu stehen gekommen. Übrigens sei der Preis zu gleichen Teilen an den Arbeiter und an den Besitzer des Feldes gezahlt worden.

Und nun weiß ich gar nicht, wem ich mehr gratulieren soll: den glücklichen Findem oder den glücklichen Beamten oder der glücklichen Stadt Dijon. Und kein Wort stand geschrieben über den Finderlohn. Glückliche Leser!