Die zur Konferenz versammelten Kultusminister haben endlich gehandelt. Alle akzeptieren inzwischen die Gesamtschule – wenn einige auch Einschränkungen machen und andere (oder dieselben) den Namen nicht sehr lieben. So war seit langem klar, daß man zu so etwas wie einem „Gesamtlehrer“ kommen müßte; denn eine Schule wird ja nicht konstituiert durch eine Versammlung von Klassenzimmern, sondern durch ein Kollegium von Lehrern.

Jetzt also soll der „Gesamtlehrer“ Wirklichkeit werden. Alle Lehrer seien gleich – wollten die Kultusminister beschließen; da intervenierten die von der CDU/CSU „Oberstufenlehrer“ müßten gleicher sein als andere.

Diese Rettungsaktion zugunsten der Standesehre des Studienrates alter Bauart wird der Philologenverband, fürchte ich, freudig begrüßen. Uns erscheint sie verfehlt.

Es soll also in Zukunft geben: Unterstufenlehrer (bisher Volksschullehrer) mit sechs Semestern Hochschulstudium der Pädagogik und eines Spezialfaches; Mittelstufenlehrer (bisher Realschullehrer) mit dem gleichen Studium; Oberstufenlehrer (bisher Studienräte) mit dem gleichen Studium in SPD-regierten Ländern, mit acht Semestern Hochschulstudium und zwei Spezialfächern in Ländern mit einer CDU/CSU-Mehrheit.

Wen befriedigt das eigentlich: daß die Art, wie Lehrer ausgebildet und wie Kinder unterrichtet werden, davon abhängen soll, welcher Partei unsere Nachbarn mehr Stimmen gegeben haben? Jeder Umzug und jede neue Landtagswahl kann dann bedeuten: wieder ein neues Schulsystem.

Dabei hätte ein Kompromiß nahegelegen. Er liegt noch immer so nahe, daß zu hoffen ist, die Landtage besinnen sich eines Besseren und schicken ihre Kultusminister mit neuem Auftrag zur nächsten Konferenz.

Die CDU hat nämlich ganz recht: der Einheitslehrer ist ein Unding; es wird immer verschieden qualifizierte Lehrer geben, und das ist sehr gut so.