Von François Bondy

Schlagartig wurden 250 000 Exemplare an die Buchhandlungen ausgeliefert; in zwei Tagen waren 175 000 verkauft: Der erste Band von de Gaulles „Friedensmemoiren“ wurde zum größten instant bestseller aller Zeiten. Lange Reportagen in Funk und Fernsehen heizen den Andrang der Käufer weiterhin an.

Ebenso wie die „Kriegsmemoiren“ sind auch die neuen wieder auf drei Bände angelegt (Charles de Gaulle: „Mémoires d’espoir 1, Le renouveau 1958–1962“; Verlag Plön, Paris 1970; 28 Franc).

Der de Gaulle der Kriegsmemoiren war ein Held, ein Mythos, der sich neben und gegen Churchill, Stalin, Roosevelt als ein Großer unter Großen durchsetzte und durch sein Handeln wie durch seine Haltung bei Kriegsende seinem Volk einen größeren „Rang“ wiedergewann, als vorausgesehen wurde. Dennoch umfassen die vier Jahre 1958–1962, die in diesem ersten Band abgehandelt werden, möglicherweise eine historisch größere Leistung. Auch ohne de Gaulle hätte Frankreich, wie alle besetzten Länder, eine Resistance gekannt und wäre als eine der Siegermächte nach dem Kriege wiederauferstanden. Ob aber ohne Charles de Gaulle Frankreich den Verlust Algeriens ohne Bürgerkrieg, Militärdiktatur und sonstige furchtbare Erschütterungen überstanden hätte, das ist viel ungewisser.

General de Gaulle hat aber nicht nur die „Entkolonialisierung“ eingeleitet und die enge wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit den einstigen algerischen Partisanenkämpfern durchgesetzt, er hat ein Regime gegründet, das bereits seine eigene Amtszeit, seinen Sturz überdauert hat, gestützt auf eine von ihm gegründete Mehrheitspartei, deren Stabilität bisher die Erwartungen übertroffen hat. Seine Rolle als „Liberateur“ hat – so kann man es heute sehen – vor allem dazu gedient, ihm jenes Prestige zu schaffen, das er für seine späteren Aufgaben brauchte.

Die neue Rolle war weniger selbstverständlich als die vergangene, galt es doch, Frankreich im Zeichen der Größe und mit ungebrochenem Selbstbewußtsein in die Kleinheit des Hexagons zu führen und diesem verkleinerten Frankreich das Gefühl einer besonderen Mission und Präsenz zu geben. Namentlich die ersten vier dieser elf Jahre an der Macht waren die eines permanenten „Krisenmanagements“, das die Historiker und Politiker nie genug studieren werden.

Leider ist „Die Wiedergeburt“, der erste Teil der „Memoiren der Hoffnung“, kein besonders brauchbares Material für dieses Studium. Nicht nur ist das Werk knapper, distanzierter geschrieben als die Kriegsmemoiren, sondern es ist auch ungleich inhaltsärmer.