Das mit einiger Spannung erwartete achte Botschaftergespräch der vier Mächte über Berlin verlief ohne Ergebnis. Trotz der langen Gesprächsdauer von dreieinhalb Stunden scheint es nicht zu ernsthaften Verhandlungen gekommen zu sein. So wurde anschließend auch kein fester Termin für ein neues Treffen angegeben; die vier Botschafter kamen nur überein, ihr nächstes „offizielles Treffen“ Anfang November abzuhalten.

Vor dem achten Gespräch hatte Berlins Regierender Bürgermeister Schütz fünf Stunden mit dem sowjetischen DDR-Botschafter Abrassimow über „Fragen gemeinsamen Interesses“ – so die amtliche Verlautbarung – konferiert. Am Vortage des Treffens führte Schütz Informationsgespräche mit den drei Botschaftern Kenneth Rush (USA), Sir Roger Jackling (Großbritannien) und Jean Sauvanargues (Frankreich).

Rush informierte zu Wochenbeginn die Bundesregierung über den Stand der Verhandlungen. Nach den Worten von Regierungssprecher von Wechmar sieht Bonn trotz der Enttäuschung über das magere Ergebnis immer noch die Möglichkeit, „mit Geduld und Festigkeit zu einer befriedigenden Berlin-Regelung zu kommen“.

Der Berlin-Vorbehalt zum Moskauer Vertrag beschäftigte auch den Bundestag, Nach angeblichen Äußerungen Brandts, möglicherweise auf das Junktim zwischen Berlin-Regelung und Ratifizierung zu verzichten, trat Außenminister Scheel solchen Vermutungen entgegen.

Obwohl der Vorwurf der Opposition, die Regierung halte sich nicht an ihr Versprechen, sie über den Stand der Verhandlungen ausreichend zu informieren, zu einer Verstimmung geführt hatte, wurde die außenpolitische Debatte von beiden Seiten mit Zurückhaltung geführt. Scheel unterrichtete zu Wochenbeginn den Fraktionsführer der Unionsparteien, Barzel, über den Stand der Berlingespräche und der deutsch-polnischen Verhandlungen.

In der Ostpolitik gab es in den letzten Tagen wieder zahlreiche Initiativen. Die sechste deutsch-polnische Verhandlungsrunde, zu der eine Delegation unter Leitung des stellvertretenden Außenministers Winiewicz nach Bonn gekommen war, konnte nicht alle Probleme bereinigen. Die Grenzformel, humanitäre Fragen und der Vorbehalt zum Friedensvertrag blieben offen. Die nächste, abschließende Runde unter Leitung der beiden Außenminister Scheel und Jendrychowski soll am 2. November in Warschau beginnen.

Unabhängig von diesen Gesprächen unterzeichnete am Wochenende in Warschau eine Delegation des akademischen Austauschdienstes ein Protokoll über wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der polnischen Akademie der Wissenschaften.