Die Zahl der Investment-Fonds wächst bei uns von Woche zu Woche, obwohl die Zeit des großen Investment-Geschäfts vorüber ist. Alle Beteiligten am Fonds-Geschäft sind sich darüber im klaren: das Wachstum der Fonds wird künftig langsamer vor sich gehen als in der Vergangenheit. Das Tempo dürfte sich aber beschleunigen, sobald der Hausse-Zug entweder in den USA oder bei uns abfährt. In den USA wird das sicherlich eher der Fall sein als bei uns, vielleicht hat er sich in Wall Street bereits in Bewegung gesetzt.

Die Fondsgründungen von heute werden nicht vorgenommen, um den Sparern etwas Neues zu bieten. Bei der bestehenden Vielfalt der Fonds, meine verehrten Leser, scheint mir das auch kaum noch möglich. Wir haben Rentenfonds, gemischte Rentenaktienfonds, inländische und international arbeitende Fonds, aggressive, dynamische, thesaurierende oder ausschüttende Fonds, wir kennen Branchen- oder Länderfonds und schließlich Fonds mit niedrigen und teueren Spesen.

Wenn jetzt immer noch Fonds ins Leben gerufen werden, dann immer nur deshalb, weil bestimmte Unternehmen das Investment-Geschäft zur Abrundung der eigenen Betätigungspalette brauchen. Und sei es auch nur, um einem vorhandenen Vertreterstab zusätzliche Provisionsquellen zu eröffnen. Ich sage dies nicht abwertend, sondern möchte ihren Blick nur für die heute viel zitierten Realitäten stärken.

Immer häufiger kommt es vor, daß clevere Vertreter die (mit ihren meist amerikanischen oder „exotischen“ Fonds) unzufriedenen Anleger überreden, von ihren alten Fonds in Neugründungen hinüberzuwechseln. Neu, meine verehrten Leser, heißt nicht automatisch besser. Die neuen Fonds müssen erst beweisen, ob sie überhaupt etwas und wieviel sie können. Nach den harten Enttäuschungen der Vergangenheit wissen wir: Wundermänner im Fonds-Geschäft gibt es nicht. Wer Wunder verspricht, überschätzt sich selbst oder will betrügen.

Wie Sie wissen, meine verehrten Leser, drängt seit einiger Zeit (nach Jahren ablehnender Distanz) auch die deutsche Versicherungswirtschaft ins Fonds-Geschäft. Im wesentlichen aus zwei Gründen:

  • Das Investment-Geschäft hat sich zur Konkurrenz der konventionellen Lebensversicherung entwickelt, die man am besten im eigenen Hause auffängt.
  • Die Vertreter der Lebensversicherer wollen nicht länger auf die profitablen Provisionen verzichten, die sich bei Fonds-Abschlüssen erzielen lassen, sie wollen die ganze Vermögenspalette anbieten und verkaufen können. Lehnt die Versicherung die Schaffung zusätzlicher Verdienstquellen ab, so gehen die Vertreter „fremd“, das heißt, sie verkaufen fremde Fonds. Davon hat ihr Arbeitgeber, die Lebensversicherung, nichts. Sie darf sich dann nur an den fixen Kosten ihrer Vertreter beteiligen, hat aber keinen Anteil an deren Fonds-Erfolgen.

Die deutschen Lebensversicherungen haben drei Möglichkeiten, sich am Fonds-Geschäft zu beteiligen: