„Die Ducks – Psychogramm einer Sippe“ von Grobian Gans. In die Auseinandersetzung um den Sozialrevolutionären Gehalt der bunten Bildergeschichten über Leben und Abenteuer der Bewohner von Entenhausen, die schon lange nicht mehr nur Objekte naiven Konsumgenusses sind, und insbesondere in die Diskussion des repräsentativen Charakters der Familie Duck als einer Gruppe von Symbolgestalten behufs Exemplifizierung typischer Persönlichkeitsbilder des Spätkapitalismus und der diese prägenden Gesellschaftsstrukturen greift mit dieser Veröffentlichung Dr. orn. Grobian Gans ein, und er hat einiges Wichtige, Luzide zu sagen. Mit kritischpsychologischer Methode, auf Grund einer breiten Materialbasis und nicht ohne Engagement weist er nach, was der reflektierende Leser schon lange vermutete, daß etwa die Grundlage des Dienstverhältnisses zwischen Oma Duck und Franz Gans eine durchaus erotische sei, und zerstört darüber hinaus liebgewordene Illusionen, indem er den Mythos der Panzerknackerbande als einer maoistisch-sozialistischen Vorhut in den Bereich des Wunschdenkens verweist oder auch die Hoffnungen auf eine spätere gesellschaftsverändernde Selbstverwirklichung Ticks, Tricks und Tracks mit dem Hinweis auf die perspektivenlose, weitestgehend persönlich-pragmatische Prägung ihrer Revolte drastisch dämpft. Außerdem bietet er einige Deutungen, die bislang kaum Interpretierbares in ein völlig neues Licht rücken: Wer wäre darauf verfallen, daß es sich beim scheinbaren Glückspilz Vetter Gustav um einen homosexuellen CIA-Agenten handelt? Wer gar könnte dieser glänzend belegten Hypothese gleichermaßen Einleuchtendes entgegensetzen? Diese Parodie auf Argumentationsmuster der „kritischen Wissenschaft“ ist nicht nur einfallsreich, sondern auch dermaßen einfühlsam, daß man wohl auf einige Sympathie des Verfassers für das hier Persiflierte schließen darf. Wenn dennoch jemand am offensichtlichen Unernst Anstoß nehmen sollte – an den Ergebnissen dieses Standardwerkes wird auch er nicht vorbeigehen können. Dr. orn. Grobian Gans hat die Duckologie auf breitere Füße gestellt. (Wissenschaftliche Verlagsanstalt zur Pflege deutschen Sinngutes im Heinz Moos Verlag, München; 80 S., 9,80 DM) Rainer Zimmer

„Thomas Mann oder Der deutsche Zwiespalt“ von Roman Karst. Nun hat auch der aus Polen stammende, in Amerika lehrende Germanist Roman Karst sein Thomas-Mann-Buch geschrieben – eine solide Biographie, zuverlässig im Detail, von noblem Gerechtigkeitssinn gegenüber dem politischen Schriftsteller und von profunder Kenntnis in den Werkanalysen. Zwar kommen einige Aspekte des Werks und der geistesgeschichtlichen Tradition, in der Thomas- Mann zu sehen ist, zu kurz – auch das Thema „Der deutsche Zwiespalt“ –, aber solange die Ansprüche nicht höher geschraubt werden (Peter de Mendelssohn wird es schwer haben) und der Ehrgeiz nicht besteht, gegen die Klischees der Exegeten anzuschreiben, ist das kaum vermeidbar. Wer sich in der Thomas-Mann-Literatur auskennt – und Karst folgt fast ausschließlich Bürgin/Mayers Chronik, den Briefbänden, den autobiographischen Schriften und den Memoiren aus dem engeren Lebenskreis –, wird nichts Neues erfahren. Für diejenigen aber, die um Briefe und Sekundärliteratur einen Bogen machen, von Kurzmonographien im Stich gelassen werden und einen lesbaren Lebensüberblick wollen, also auch für Schüler, ist dies eine brauchbare Einführung. (Verlag Fritz Molden, Wien; 360 S., 26,– DM) Martin Gregor-Dellin