Hamburg Bis zum 27. Dezember, Museum für Kunst und Gewerbe: „Dädalische Kunst“

Dädalische Kunst meint die kretische Kunst des 7. Jahrhunderts vor Christus, die man so ausführlich, in so glänzenden Beispielen sonst nur im Museum von Iraklion zu sehen bekommt. Herbert Hoffmann, der Leiter der Antiken-Abteilung des Hamburger Museums, präsentiert Hunderte von Objekten aus mehr als dreißig europäischen und amerikanischen Sammlungen unter dem Stilbegriff des Dädalischen, der geistvoll und ganz im Sinne André Gides die streng wissenschaftliche Kategorie ins mythisch Poetische ausweitet. Es sei hoffnungslos, nach einem historischen Dädalos zu suchen, schreibt Hanna Philipp im Ausstellungskatalog. Dädalos, der Erbauer des kretischen Labyrinths, der Erfinder und Künstler, ist ein Mythos, mit einer durchaus realen Effizienz. Pausanias bereits nennt Künstler bei Namen, die er als Söhne oder Schüler des Dädalos bezeichnet. Ihm werden nicht einzelne Werke zugeschrieben. Aber die eigentümliche Verlebendigung der Statuen, die sich in der kretischen Kunst des 7. Jahrhunderts beobachten läßt, gilt als Leistung des Dädalos. Womit die Archäologie das Dädalos-Bild bestätigt, das Gide im „Theseus“ gezeichnet hat: Vor Dädalos habe man die Götter in einer hieratischen Haltung dargestellt, „sie staken im Sockel fest, unfähig, sich zu bewegen. Ich aber befreite ihre Glieder und brachte uns die Götter näher“. Höhepunkte und reinste Inkarnation dädalischer Kunst sind die winzigen Bronzeappliken, darunter die „Jäger mit einer Wildziege“ aus dem Louvre. Gottfried Sello

Weiterhin im Programm:

München Bis zum 8. November, Stadtmuseum: „Malerei nach Photographie“

Wie die Kunst sich mit der Kamera zusammenraufte, das wird hier zum erstenmal dokumentiert (gelegentlich allzu ausführlich, gelegentlich etwas lückenhaft).

Stuttgart Bis zum 30. November, Staatsgalerie „Tiepolo – Zeichnungen“

Die Blätter aus dem (umfangreichen) Besitz der Staatsgalerie wurden ergänzt durch Zeichnungen aus Privatbesitz und aus dem Würzburger Wagner-Museum. Die Ausstellung wird außer in Stuttgart leider nur noch in den USA gezeigt.