Von Joachim Nawrocki

Zwei Semester hat der Präsident der Freien Universität, Rolf Kreibich, jetzt hinter sich; das dritte Semester hat jetzt begonnen. Zwei Semester lang wurde mit dem neuen Universitätsgesetz gearbeitet. In dieser Zeit hat sich die Situation an der Freien Universität zweifellos gewandelt. Mit Recht verweist Kreibich darauf, es sei jetzt ruhiger als zu Zeiten seines Vorgängers; denn Kreibich lehnte es ab, bei Auseinandersetzungen die Polizei zu rufen.

Aber in der gleichen Zeit hat sich der Konflikt zwischen der Mehrzahl der Professoren und den linken Studenten verschärft. Selten gibt es den lauten Eklat. Die Methoden der Roten Zellen und verwandter Gruppen sind subtiler geworden. Erst beim Gespräch mit verbitterten, entnervten Professoren und mit Studenten, die um den geordneten Fortgang ihrer Studien bangen, wird ihre Wirksamkeit erkennbar.

Es ist zu einfach, die Professoren, die sich gegen die revolutionäre Unterwanderung der Wissenschaft wehren, als Anhänger der Ordinarien-Universität zu diffamieren, die ihre Privilegien nicht aufgeben wollen. Viele von ihnen haben an der Reform mitgearbeitet; andere erkannten zwar die Notwendigkeit von Reformen, waren aber skeptisch gegenüber dem jetzt verwirklichten Konzept. Nur wenige Professoren lehnen das Gesetz rundheraus ab. Die eigentlichen Gegner des Universitätsgesetzes sind die linken Studenten, vor allem die "Roten Zellen". Sie bedienen sich seiner Bestimmungen, wenn es zu ihren Zielen paßt, und bezeichnen es im übrigen als eine "technokratische Reform", deren Intentionen zu bekämpfen seien.

Die Gefahr, daß es den Roten Zellen gelingt, die Universität zu unterwandern und funktionsunfähig zu machen, ist noch keineswegs gebannt. Ihre Taktik und ihre Ziele sollen hier am Beispiel des Englischen Seminars der Freien Universität dargestellt werden.

So war es im Sommersemester: