Nach dem Studentenaufstand 1968 in Paris schrieb Armand Gatti das Stück: „Maschine, mit der die Arbeit zur Erschließung neuen Landes durch die Brigade Ché Guevara begonnen wird.“ Jetzt, zwei Jahre später, hatte es Uraufführung im Theater am Turm in Frankfurt.

Was man in den ersten fünfzehn Minuten erfährt: Er liebt sie. Sie liebt ihn. Er ist Kubaner und Architekturstudent. Sie ist Französin und Meteorologin. Sie sind verheiratet und leben in Paris, in einem Zimmer mit Sicht auf einen Kanal an der Bastille. Eines Tages rumort es in seinem Kopf: „Ich brauche mein Land – nicht als Land, sondern als das, was dort geschieht.“ Marianne, die Wolkenforscherin, packt die Koffer. Sie ist bereit, französische Wetterlagen mit kubanischen zu vertauschen. Ehemann Totuy hält nichts davon, weil er schon ahnt, daß sie mit diesem Job auf Kuba keine Chancen hätte. Die Koffer werden wieder ausgepackt, Mariannes Herzklopfen hat vorerst noch mal gesiegt. Dann allerdings kommt ein ernster Appell von den Genossen, von Kuba aus die Revolution in ganz Lateinamerika einleiten zu helfen. Ehefrauen sind dabei unerwünscht. Totuy schwindelt ein bißchen, fliegt ab, Marianne weint.

So weit, so gut, denkt man, jetzt ist er drüben, jetzt sieht man gleich echte Guerilla-Arbeit. Da aber kommt ein Briefträger, bringt Marianne Luftpost aus Kuba und leitet damit eine Korrespondenz ein, die gar nicht mehr aufhört, weil beide unentwegt an der Trennung leiden.

Die Zuschauer haben gerade ihre Sessel warmgesessen, nicht einmal ein Drittel des Eintrittskartenpreises abgesessen, da werden sie von der Bühne herab aufgerufen, selbst aktiv zu werden, Als Textvorlage für ihren Part werden ihnen Flugblätter ausgehändigt, die in Version A Fragen zur Problematik des Stückes und in Version B Fragen nach Kenntnissen von Lateinamerika stellen.

Bei der Vorpremiere von Gattis Stück, bei der den Hauptanteil der Zuschauer Frankfurts theoretisch engagierte. Linke stellte, schien der Konflikt zwischen privatem Glück und Revolution eine Achillesferse getroffen zu haben. Die Linke war provoziert und verdrängte: Was nicht in der Theorie ist, ist nicht in der Welt.

Plenardiskussion nach fünfzehn Minuten Spieldauer also. Die Linke im ideologisch verhüllten Schlagabtausch ihrer Aggressionen, das etablierte Publikum der Hauptpremiere vorwiegend paarweise im Flüsterton nachdenkend – hilflos.

Nach der Denkpause bietet das Schauspielerteam vier Möglichkeiten zur Fortsetzung des Abends an: Diskussion über Flugblatt A, Diskussion über Flugblatt B oder weiter Theater, die Brigade mit oder ohne Marianne.