Der von Präsident Nixon in der vergangenen Woche vorgelegte Friedensplan für Indochina hat ein sehr unterschiedliches Echo gefunden. Während der amerikanische Senat die Friedensinitiative billigte, wurden sowohl in Saigon als auch in Pnom Penh erhebliche Vorbehalte gegen den Nixon-Plan laut. So stimmte die südvietnamesische Regierung dem Waffenstillstandsangebot nur unter der Bedingung zu, daß die Feuereinstellung von einer internationalen Organisation wirksam überwacht und die Heranführung von Verstärkung für beide kriegführenden Seiten verhindert wird.

Der kambodschanische Ministerpräsident, General Lon Nol, hingegen forderte zumindest den Abzug aller nordvietnamesischen und Vietcong-Truppen aus Kambodscha, bevor Frieden geschlossen werden könnte.

Die Delegationschefs der Nordvietnamesen und des Vietcong bei den Pariser Vietnamgesprächen präzisierten Anfang der Woche ihre ablehnende Haltung gegenüber den neuen amerikanischen Lösungsvorschlägen. Die Chefdelegierte der provisorischen Revolutionsregierung, Madame Binh, hält den Fünf-Punkte-Plan für unannehmbar, da er weder die Pariser Konferenz weiterbringen noch zu einer befriedigenden Regelung beitragen könne. Sie fordert den Rückzug sämtlicher amerikanischen Truppen bis zum 30. Juni 1971; erst dann könne auch über die Freilassung aller Gefangenen gesprochen werden.

Der nordvietnamesische Botschafter Xuam Thuy bezeichnete den Plan als einen „Geschenkgutschein für die amerikanischen Wähler“, der keine neuen Gesichtspunkte enthält.

Der amerikanische Präsident hatte in seiner Fernsehrede einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, der im einzelnen vorsieht:

1. „Waffenruhe an Ort und Stelle“ für ganz Indochina, die durch internationale Beobachter sowie durch die Parteien selbst überwacht wird;

2. Einberufung einer neuen Indochinakonferenz;