Philip Roths Bericht über „Portnoys Beschwerden“ scheint, außerhalb seiner amerikanischen Entstehungsheimat, zu einem Beschwerde-Buch zu werden. Beschwerte sich hierzulande die Kritik ganz allgemein darüber, daß der Jude Roth mit diesem Buch die Juden verunglimpfte; beschwerte sich Verleger Rowohlt darüber, daß er auf der Hälfte der ersten Auflage sitzengeblieben ist; beschwerten sich die Buchhändler darüber, daß solcher „Schweinkram“ sich nicht verkaufen lasse; beschwerten sich deutsche Portnoy-Fans über die Borniertheit und Humorlosigkeit ihrer Landsleute – so kann Frankreich jetzt mit einem höchst individuellen Fall von Beschwerde aufwarten. Sie wurde vorige Woche vor einem Pariser Gericht von einem Bürger namens Portnoy gegen den Roth-Verleger Gallimard vorgetragen. Monsieur Portnoy, ein unbescholtener Franzose jüdischer Abstammung, fühlt sich vor allem auch deshalb in seinem Ruf bedroht, weil er in seinem Geschäft einen leitenden Angestellten namens Branli hat, welches wiederum im Umgangsfranzösisch das beschreibt, was dem Roman-Portnoy das Leben so lustvoll und beschwerlich zugleich macht. R. W. L.