Gerüchte über einen „Superminister“ für Wirtschaft und Finanzen wollen in Bonn nicht verstummen. Der SPD-Abgeordnete. Dr. Dietrich Sperling hält den Gedanken aus „sachlichen Gründen nicht für abwegig“. Doch: „Ernsthafte Erwägungen gibt es nicht.“

Der Abgeordnete Hans Matthöfer meint freilich: „Ich hielte das für eine gute Sache.“ Matthöfer, der sich in der Großen Koalition als Gegner der Notstandsgesetzgebung profilierte und in scharfem Gegensatz zu dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Helmut Schmidt stand, hält den Hamburger diesmal für den richtigen Mann. Auf die Frage, ob er ein Super-Ministerium trotz Schmidt befürwortete: „Gerade wegen.“

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Kostspielige Eigenwerbung der Regierung brachte Conrad Ahlers in Verlegenheit. Der Staatssekretär im Presseamt geriet mit seiner im Zimmermann-XY-Stil aufgemachten Verbrecheranzeige („Wir werden sie jagen ... Tag und Nacht“) in parlamentarisches Kreuzfeuer. Kaum ein Abgeordneter mochte die Vorurteile schürende Anzeige billigen. Der SPD-Abgeordnete Harry Tallers: „Das ist ein typischer Fall von Kolportage.“ Nach einem parlamentarischen Zwischenspiel redeten sich das Presseamt und das mitbeteiligte Innenministerium auf einen „Hörfehler“ heraus. Der zuständige Referent im Presseamt habe das „nein“ von Innenminister Genschers Öffentlichkeitsreferenten als „ja“ verstanden.

Mit so billigen Ausreden kamen die Urheber des zweiten Anzeigenärgers nicht davon. Zeitungsinserate des DGB hätten beinahe zum Zusammenbruch der Konzertierten Aktion geführt. Eine geballte Faust und ein Text, der den Unternehmern vorwarf, sie würden die Preissteigerungen verordnen, erregten die Bosse. BDI-Präsident Fritz Berg verlangte ein „klärendes Wort“, Wirtschaftsminister Karl Schiller übernahm die Vermittlerrolle.

Nach der Beilegung des Anzeigenstreits sagte aber niemand mehr Böses. Gegen Ende der Konzertierten Aktion wurde offenbar nur noch geblödelt. Einzelhandelspräsident Fritz Conzen berichtete: „Ein Teilnehmer fragte einen anderen, was der Unterschied zwischen Schiffbau und der Konzertierten Aktion sei. Die Antwort lautete: Keiner, denn beide leben von der Re(e)derei“

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