Daß Henry Ford den Sowjets den Bau eines Lkw-Werks an der Kama abschlug, hatte er kurze Zeit später zu bereuen. Noch im Zeichen und in der Euphorie des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes strichen Deutschlands Statussymbol-Produzenten das Geschäft ein: Daimler-Benz wird zusammen mit anderen europäischen Firmen den Bauwunsch der Russen samt seiner Finanzierung erfüllen helfen.

Es fehlte denn auch nicht an Kassandrarufen aus den Vereinigten Staaten, man habe den Deutschen das weite Feld des lukrativen Ostgeschäfts kampflos überlassen.

Solche Schlappe kein zweites Mal unterlaufen zu lassen, setzte sich IBM-Verwaltungsratsvorsitzender Thomas J. Watson zum Ziel, als er dieser Tage zu Besprechungen mit dem sowjetischen Staatskomitee für Technik und Wissenschaft auf Einladung des Leiters und Sowjet-Vizeministerpräsidenten Kirillin nach Moskau eilte.

Nach ersten Besprechungen stand denn auch fest: Die Sowjetunion ist an einer Zusammenarbeit mit dem größten Computer-Produzenten der Welt interessiert. Moskau nämlich liegt an westlichem Know-how. Auf ihrer Suche danach wenden sich die Russen zunehmend an Vertreter des amerikanischen Großkapitals.

Watson allerdings taktierte zunächst einmal vorsichtig. In einer Pressekonferenz äußerte er sich recht pessimistisch über die Aussichten in naher Zukunft. Abgesehen von den amerikanischen Handelsbestimmungen gebe es noch eine Reihe anderer Faktoren, die der baldigen Aufnahme voller geschäftlicher Beziehungen im Wege stünden. Dies alles bedürfe sehr sorgfältiger Prüfung und weiterer Kontakte mit den zuständigen sowjetischen Stellen. Wenn aber die Sowjetunion.sich entschließen sollte, Computer im Ausland zu kaufen, dann werde sich – so IBM-Chef Watson – ein Markt im Umfange von mehreren hundert Millionen Dollar ergeben.

Was den technischen Wissensstand beider Seiten angeht, verblieb Watsons Urteil sibyllinisch: Man habe ihm in Moskau elektronische Datenverarbeitungsgeräte gezeigt, „die uns zu der Schlußfolgerung kommen ließen, daß wir erheblich voraus sind, bei anderen wieder, daß wir nicht so weit voraus sind“.

bke