Von Christel Buschmann

Vor der Lektüre von Comics konnten Pädagogen, Jugend- und Frauenverbände, Geistliche und auch besorgte Wissenschaftler immer nur warnen.

Comics sind gezeichnete Bildergeschichten. Sie erscheinen in Fortsetzungen in der Presse (comic strips, funnies) und als Heft oder Buch (comic books). Die ersten Comic strips entstanden Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Amerika. In Europa und Deutschland gibt es sie seit 1945.

Trotz zunehmend sachlicherer Auseinandersetzung, angeregt durch die Aufwertung der Comics seitens renommierter Pop-Artisten, bleibt dieses Bild-Text-Medium in den Augen vieler Schmutz und Schund, allenfalls zur Verdummung der Massen geeignet sowie zur Unter- als auch Erhaltung von Analphabeten. Sie bedeuten den in diesem Fall offensichtlich besonders gefürchteten „Rückfall ins Primitive“, sind „eine phraseologisch eingeimpfte Gefahr für unsere Kinder“ und halten „die Kinder auf immer im Lallalter“. Selbst Lexika geben in beredten Worten ihrer Furcht Ausdruck. Comics seien „psychologisch gefährlich wegen der Reduzierung aller Formen und Gehalte zum bloßen primitiven und handlungsreichen Stoff und der Abstumpfung der kindlichen Phantasie“ (Wilpert) und „können auf die Jugend sittlich gefährdend und seelisch schädigend wirken“ (Brockhaus).

Zwei Dinge fallen auf: Erstens nehmen Comics offenbar insofern eine Sonderstellung gegenüber den verwandten Medien Film, Malerei, Graphik, Literatur ein, als bei ihnen eine Unterscheidung von Gut und Schlecht von vornherein unnötig scheint. Zweitens kümmert man sich stets nur um Kinder und Jugendliche und nicht um Erwachsene.

Dabei haben Statistiken in Amerika erbracht: Der größte Teil der Comics-Leser rekrutiert sich aus Angestellten im Alter von dreißig bis neununddreißig, und eine nähere Betrachtung gängiger Comics zeigt, daß sie sich mit ihrer Ideologie gezielt und manipulativ an Erwachsene richten – Comics als Kriegspropagandamittel sind beispielsweise in Vietnam reichlich im Einsatz.

Da in der Bundesrepublik in den Jahren 1950 bis 1960 schätzungsweise monatlich etwa 1,5 Millionen Comic books erschienen sind – in Amerika wird die Zahl monatlicher Comic books auf 100 Millionen Exemplare taxiert –, es sich hier also um ein zukunftsträchtiges Massenkommunikationsmedium handelt, dessen Aufschwungs auch in Deutschland kein erhobener Zeigefinger aufhalten wird, lohnt es sich vielleicht, davon auszugehen, daß nicht die Stilmittel der Comics selber minderwertig sind, sondern höchstens Ziel und Methode ihrer Verwendung.