In Bonn findet demnächst eine Ausstellung aus dem Nachlaß des allzufrüh dahingeschiedenen Malers Brandt-Scheel statt. Während einer Vorbesichtigung dieser Gedächtnis-Kollektion bemerken wir gleich am Eingang einige Frühwerke des Meisters. Er stand damals auf der Höhe seiner Schaffenskraft, zeigte noch jenen Schwung, der ihm in seinen späteren Arbeiten so oft zu fehlen schien, stieß Ideen, Modelle, Pläne in einer fast spätexpressionistisch zu nennenden Manie nur so aus sich heraus.

Damals war es auch, als Brandt-Scheel seine umfassende konzipierte Serie „Innere Reformen“ begann, die dann nur Stückwerk bleiben sollte. Immerhin bekommt man ein Ahnung davon, wie das alles gedacht war. Brandt-Scheel hat es dem Publikum wie auch der Kritik nie leicht gemacht: Das sieht man schon an so spröden Titeln seiner Werke wie: „Verwaltungsreform“, „Bundeswehrreform“, Steuerreform“ – lauter Talentproben des jungen Meisters, in denen er wohl sein Bestes gab, die aber wegen ihrer stark abstrakten Bildelemente beim Publikum keine rechte Resonanz fanden.

Ein paar Räume weiter sein berühmtes Hauptwerk: „Moskau“. Das Bild zeigt ihn auf der Höhe seiner Meisterschaft: sehr differenziert, sehr subtil in der Farbgebung, immer wieder der Kampf mit dem Rot, das er in den Griff zu bekommen sucht; sehr kühn im Ansatz, sehr ausgewogen in der Form. Man spürt: An diesem reifen Werk ist lange gefeilt worden.

Stark umstritten werden wohl seine Bilder aus dem Wirtschaftsleben bleiben. Hier scheint er etwas die Kontrolle über das Material verloren zu haben, trug er manchmal in der Farbgebung zu dick auf, verließ er sich wohl allzu leichtfertig auf sein schillerndes Talent. Hier fehlt der entschlossene Zugriff, seine Pinselführung zeugt von einer gewissen Unsicherheit. Die Kritik, die sich gerade an diesen Spätwerken seines Schaffens festbeißt, muß auf den Meister lähmend gewirkt haben. Darum wohl wandte er sich nun mehr und mehr der Conzept-Art zu – jener relativ neuen Stilrichtung, deren Werke, aus der reinen Phantasie geschaffen, sich nicht im Material, sondern nur in Skizzen, Anweisungen und Entwürfen ausdrücken lassen. Einige dieser Arbeiten – sie tragen Titel wie: Bildungsreform, Sozialer Ausgleich, Demokratisierung – auch sein souveräner Umgang mit einem so heiklen Sujet wie die Pornographie zeigt, daß Brandt-Scheel in seinen besten Arbeiten seiner Epoche weit voraus war.