Mit zwei Putschen, drei Präsidenten und vier Regierungen innerhalb von fünf Tagen hat Bolivien seinen Ruf bestätigt, das innenpolitisch labilste Land Südamerikas zu sein. Nach der Vereidigung einer neuen Regierung unter General Juan José Torres, die für einen linksrevolutionären Nationalismus eintritt, ist seit dem Wochenende eine vorläufige Beruhigung der Situation des Fünf-Millionen-Staates zu verzeichnen.

Begonnen hatte das Putsch-Karussell mit zunehmender Kritik an Präsident Ovando Candia, der im Herbst des Vorjahres in einem unblutigen Staatsstreich seinen Vorgänger Siles Salinas entmachtet hatte. Ovando begann seine Regierung mit revolutionärem Elan, der in der Verstaatlichung der amerikanischen Gulf Oil Corporation seinen Höhepunkt fand.

Aber wirtschaftliche Schwierigkeiten – die Vereinigten Staaten nahmen kein Öl mehr ab – und der wachsende Druck der konservativen Militärs zwangen Ovando auf einen gemäßigten Kurs. Er entließ die engagiertesten Linksvertreter aus der Regierung, darunter auch Torres, und verscherzte sich damit die Billigung der einflußreichen Gewerkschaften, ohne die Rechte befriedigen zu können.

Der Nachfolger von Torres als Armeechef, der nationalkonservative General Rogalio Miranda, erklärte Ovando für abgesetzt. Um Blutvergießen zu vermeiden, verzichtete Ovando auf eine Machtprobe. Teile des Heeres folgten aber seinem Aufruf nicht, keinen Widerstand zu leisten.

Obwohl Miranda eine dreiköpfige Militärjunta einsetzte, der die Chefs von Heer, Marine und Luftwaffe angehörten, opponierte der größere Teil des Heeres, der sich um General Torres sammelte und gegen La Paz vorrückte. Nach vereinzelten Kämpfen und Luftangriffen auf das Präsidentenpalais brach die Junta auseinander, da sie keine Basis besaß:

Gewerkschaften und Studenten demonstrierten ebenfalls gegen die Militärregierung und riefen einen Generalstreik aus. Miranda mußte verzichten und suchte in der Botschaft Paraguays um politisches Asyl nach.

Torres konnte daraufhin eine linksnationale Regierung aus neun Zivilisten und sieben Offizieren bilden. Der Widerstand einzelner Heeresabteilungen unter Oberst Ayoroa, die auf Seiten Mirandas standen, ist inzwischen abgeflaut.