Von Heinz Michaels

Es dauerte eineinhalb Jahre, das Markenzeichen am Kühlergrill zu wechseln: Das NSU-Emblem wurde gegen das VW-Zeichen ausgetauscht. Außerdem wurde das Produktionsverfahren für den Zylinderkopf geändert.

Nebenbei wurde in dieser Zeit auch noch eine neue Automobilfabrik in Salzgitter gebaut, in der künftig 500 Autos vom Typ K 70 pro Tag produziert werden sollen. Bei NSU hatte man mit 200 Wagen pro Tag gerechnet und war sich damit schon recht optimistisch vorgekommen.

Der Vorschußlorbeer, den dieser Wagen in der Fachwelt erhalten hat, ist inzwischen zwei Jahre alt. Und er ist in dieser Zeit nicht gewelkt. VW bietet nun in der oberen Mittelklasse ein Auto, das in der Kombination von Technik und Preis Furore machen kann.

Erinnern wir uns: Mit dem K 70 bietet das Volkswagenwerk erstmals einen Wagen an, dessen Motor nicht mit Luft – „Luft kann nicht frieren“. –, sondern mit Wasser gekühlt wird. Und erstmals hat ein VW nicht einen Heckmotor mit Heckantrieb, sondern einen Frontantrieb.

Bei seiner Europapremiere auf kurvenreichen Straßen in der Provence konnte der K 70 denn auch zeigen, daß er dank seines aufwendigen, dem NSU Ro 80 entlehnten Fahrwerks eine hervorragende Straßenlage hat und nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Auf den kurzen Jberholstrecken bewährte sich die Spurtfreudigkeit der 90 PS, der stärkeren Version, der auf diesen Straßen kaum ein anderes Auto davonfuhr.

Doch Wunder geschehen weder in Neckarsulm hoch in Wolfsburg. In den Kurven beispielsweise möchte der K 70 fleißig geschaltet werden, denn im unteren Drehzahlbereich ist der Motor ein wenig träge. Das Schalten aber ist keine reine Freude, denn die Betätigung des Knüppels ist ein wenig Lotteriespiel, ob der gewünschte Gang nun auch eingelegt ist. Frontantrieb und Knüppelschaltung – das kann man auch bei anderen Typen beobachten – sind offenbar nicht so gut zu kombinieren wie Frontantrieb und Lenkradschaltung.