Die Gehälter der Arbeiter und Tarifangestellten“, so befand kürzlich das Magazin Wirtschaftswoche, „steigen rascher als die der Middle-Manager.“ Und Professor Dr. Gerhard Müller, Präsident des Bundesarbeitsgerichtes, folgerte daraus: „Die leitenden Angestellten sind stärker als jede andere Gruppe der Industriegesellschaft von einer sozialen Deklassierung bedroht.“

Was Wunder, daß sich die verschiedensten Anwälte melden, die Interessen der ob der Hiobsbotschaften murrenden „Leitenden“ zu vertreten. Just dieser Tage, mühte sich Günter Apel, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), die Mandatsrechte seiner Gewerkschaft ins rechte Licht zu rücken. Apel wünscht, daß die leitenden Angestellten ebenso im Betriebsrat vertreten sind wie die übrigen Arbeitnehmer. Anderenfalls sei der Betriebsrat eine Interessenvertretung der „kleinen Leute“.

In den „DAG-Forderungen für leitende und wissenschaftliche Angestellte“ reklamierte er kürzlich in München: „Für die den Arbeitgebern oder Unternehmern zuzurechnenden und damit aus dem Kreis der Arbeitnehmer auszunehmenden Personen gilt als Kriterium die umfassende Vertretungs- und Entscheidungsbefugnis Nur für diesen Personenkreis ist es gerechtfertigt, soziale und andere Schutzgesetze nicht anzuwenden.“ Die Angestellten-Gewerkschaft geht dabei so weit, daß sie die Bezeichnung „Leitende Angestellte“ für diesen engen Kreis der leitenden Beschäftigten ganz ablehnt. „Er sollte eindeutig als Arbeitgeber oder Unternehmer bzw. als deren Vertreter im Rechtssinn qualifiziert werden.“

Um die gerechte Vertretung der „Leitenden“ streiten denn auch all jene, die sich als Vertreter wähnen: Die „Union der leitenden Angestellten“ verlangt eine Repräsentanz der „Leitenden“ und sieht sich darin einig mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die einen „Sonderbetriebsrat“ für Manager vorsieht.

Die BDA dehnt den Kreis der arbeitgeberisch Beschäftigten auch auf wissenschaftliche Mitarbeiter aus, „die für Bestand und Entwicklung des Unternehmens wesentliche Aufgaben haben“.

Managerfreundlich erwies sich dieser Tage auch der Deutsche Gewerkschaftsbund. DGB-Bundesvorstandsmitglied Günter Stephan verkündete vor Angestellten, noch im Jahre 1971 wolle der Gewerkschaftsbund ein „Institut für Führungsaufgaben“ gründen. Denn: Der DGB wolle auch für Führungsaufgaben eine qualifizierte Bildung garantieren“.

Auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schaltete sich in die Diskussion ein. Ein Ministerialentwurf für ein neues Betriebsverfassungsgesetz sieht vor: „Nur Beschäftigte mit eindeutigen Arbeitgeberfunktionen vom aktiven und passiven Wahlrecht für den Betriebsrat auszuschließen.“ Das heißt, auch die große Mehrheit der in gehobenen Positionen Beschäftigten soll vom Betriebsrat vertreten werden. Für ihre Einstellung soll dagegen die Zustimmung der Betriebsvertretung künftig nicht notwendig sein.