Am 13. Oktober begann ein neues Kapitel in der deutschen Pressegeschichte. An diesem Tag haben die Sex-Blätter von St. Pauli samt ihren bundesweit verbreiteten Bekanntschaftsanzeigen die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften unbehelligt passiert. Die Prüfer haben sich dem wissenschaftlichen Urteil des Hamburger Sexualpädagogen Scarbath gebeugt, der allenfalls zugesteht, daß die St.-Pauli-Publikationen „in die Nähe des Grenzbereichs der Jugendgefährdung“ geraten. Der Wissenschaftler meint sogar entdeckt zu haben, daß die St.-Pauli-Blätter Ansätze für eine „kritisch-informatorische Emanzipation“ enthielten.

Diese Erkenntnis wird manchem neu sein. Verbirgt sich hinter den Annoncen („Seid nett aufeinander“) wirklich mehr als privates Anliegebedürfnis – ein gesellschaftliches Anliegen? Und ist der Einsatz der PK-Berichterstatter von der Porno-Front für eine angemessene Altersversorgung der Lebedamen auf der Reeperbahn tatsächlich von politischer Relevanz?

Die Zeiten ändern sich. Die Blätter von St.-Pauli sind staatlich aufgewertet worden. Die Verfassung, die uns die Pressefreiheit garantiert, schützt künftig auch sie. Busen und Po mit Drum und Dran, ob in der St.-Pauli-Zeitung oder im St.-Pauli-Express dargeboten – sie dürfen sich jetzt auf ein Grundrecht stützen. Der Journalistenverband wird sich eine neue Sparte angliedern müssen: die Pornographiker. Noch will einem der Gruß nur zaghaft aus der Feder: Auf denn, Kollegen! v. K.