Trotz Apartheid-Gesetz stehen Südafrikas Volkswagen-Verkäufer er mit den 15 Millionen „Non-Whites“ des Landes auf vertrautem Fuß. Zusammen mit den weißen Afrikanern burischer Herkunft, bei denen sich immer mehr ein „Volkswagen-Bewußtsein“ bemerkbar macht, so Südafrikas VW-Chef Richard Eckert, bilden sie 75 Prozent des gesamten VW-Marktes. Das war nicht immer so. Südafrikas Nicht-Weiße bevorzugten bis vor kurzem amerikanische Straßenkreuzer, die sie aus zweiter oder dritter Hand erwarben und mit denen sie bis zu zehnköpfige Familien befördern konnten. Nur allmählich gelang es den VW-Werbern, diesen Bevölkerungsanteil für den „Käfer“ zu begeistern. Und in Uitenhage, dem VW-Sitz, hat man große Pläne: In den nächsten fünf Jahren sollen Südafrikas Bantu-Schwarze 10 000 neue Volkswagen abnehmen.

VW-Repräsentant und Aufsichtsrats Vorsitzender E. G. Blohm in Johannesburg zeigt sich über diese Entwicklung recht begeistert: „Unser Werk hat in Anbetracht des immer härter werdenden Konkurrenzkampfes diesen neuen Kundenstamm bitter notwendig.“ Zwar besteht der VW-Kundenstamm erst aus 2,1 Prozent Nicht-Weißen, also Bantu-Negern und anderen farbigen Einwohnern, aber der Wirtschaftsboom des Landes macht auch diese Bevölkerungskreise immer kaufkräftiger.

Doch „Volkswagen of South Africa“ mit der modernen Produktionsstätte in Uitenhage vor den Toren von Port Elizabeth muß sich gegen eine starke Konkurrenz wehren. Denn beinahe alle Automobil-Produzenten der westlichen Welt sind mit eigenen Fertigungsanlagen im Lande vertreten. Dieser Kfz-Expansion steht ein Markt gegenüber, der jährlich rund 150 000 Einheiten aufnehmen kann. Konkurrenten des VW-Käfers sind die amerikanischen Automobil-Giganten Ford, General Motors und Chrysler und seit neuestem auch die japanischen Hersteller Toyota und Nissan, die Innerhalb von vier Jahren vor allem auf dem Transporter-Sektor einen Marktanteil von 44 Prozent erreicht haben.

Noch vor fünf Jahren war auf Südafrikas Straßen kein einziges Auto japanischer Herkunft zu sehen. Nippons Stärke lag in einer gezielten Verkaufsstrategie mit Schwerpunkt auf dem Absatz kleiner und mittlerer Lastwagen. Nachdemdie Japaner in dieser Klasse die Spitze erreicht haben, trachten sie nach gleichem Erfolg bei den-Personenwagen. Die Volkswagen-Manager verfolgen die japanische Offensive in Südafrika mit größter Aufmerksamkeit. VW-Generaldirektor Richard Eckert: „Zuerst waren wir wachsam, jetzt werden wir allmählich besorgt.“

Noch gibt es keinen Grund zur Panik, denn VW in Südafrika hat trotz größter Konkurrenz seine Schäfchen immer noch im trockenen. Zwar stehen die VW-Verkäufer im Lande nicht mehr an der Spitze, der Statistik, aber der „Käfer“ ist – immer noch der meistgekaufte Personenwagen. Im einzelnen sieht die Situation so aus: 1968 setzte VW insgesamt 20 761 Personenwagen und 6378 Nutzfahrzeuge ab. Das ist bei den Personenwagen der dritte Platz im Gesamtabsatz. Davor liegen Ford mit 31 080 und General Motors mit 27 520 Einheiten. Die VW-Transporter haben hinter Toyota (13 137 Einheiten), General Motors (10 467), Ford (9352) und Nissan (6977) nur den fünften Platz erreicht.

Derzeit gibt es noch kein einziges Fahrzeug in Südafrika, das vollständig im eigenen Land entwickelt und hergestellt wird. Seit 1964 ist die Regierungspolitik des Landes darauf gerichtet, die Kraftfahrzeug-Industrie zu veranlassen, mehr als 50 Prozent des verarbeiteten Materials, aus dem heimischen Markt zu verwenden und dafür das Gütezeichen „Made in South Africa“ mit entsprechenden Steuererleichterungen zu erwerben. Für die Automobil-Produzenten war dieses Dekret Anlaß, geradezu einen Wettbewerb um das Gütezeichen zu veranstalten. Sofort nach Bekanntwerden der neuen Wirtschaftspolitik Im-Jahr 1964 wurden gleich dreizehn Modelle „Made in South Africa“ eingestuft. Der Anteil der heimischen Produktion lag Ende 1969 bei 55 Prozent.

In Uitenhage verspricht man sich eine Marktbelebung von dem VW-Modell 411, von dem seit kurzem täglich 32 Einheiten vom Band rollen. Pressesprecher Ronny Krueger: „Die schlechte Presse dieses Fahrzeugs in Westdeutschland hat natürlich anfangs auch bei uns dem 411 geschadet. Schließlich liest man auch in diesem Land europäische Zeitungen. Seitdem man das Auto hier selbst erprobt hat, konnte der solide 411 die Einwohner überzeugen. Das Auto verkauft sich schon sehr gut, und es wird noch besser.“ –