Daß endlich gut wird, was lange währt, kann man vom Abschluß der Ruhrkohle AG, Essen, beim; besten Willen nicht sagen. Bis Ende letzter Woche ließ sich der Vorstand Zeit, ehe er dem Aufsichtsrat klaren Wein über das Geschäftsjahr 1969, das erste der Einheitsgesellschaft des Ruhrbergbaus, einschenkte: Bei 6,5 Milliarden Mark Umsatz und 4,8 Milliarden Mark Sachanlagevermögen fehlen in der Kasse 200 Millionen Mark – ein stolzer Verlust.

Man ist schnell geneigt, von einem Fehlstart oder gar einer Bauchlandung zu reden. Aber das wird den Tatsachen nicht gerecht. Der Vorstand präsentiert zwar das Ergebnis eines ganzen Jahres, hat jedoch nur wenige Monate lang Gelegenheit gehabt, die Geschicke des Unternehmens zu lenken. Erst in der zweiten Julihälfte 1969 ist der sogenannte Grundvertrag über die Bildung einer „Gesamtgesellschaft“ des luhrbergbaus unterzeichnet worden. Und erst von diesem Datum an kann von beginnenden Aktivitäten die Rede sein, deren spektakulärste die Preiserhöhung von etwa 13 Prozent Anfang Oktober war.

Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Abnehmer der Ruhrkohle AG, die vor allem im Stahlbereich mit den Aktionären identisch sind, zuwenig für die Kohle bezahlt, wenn man den Marktpreis zugrunde legt. Ein vom Beginn des Jahres an aktionsfähiger Vorstand hätte die Preise schon weit früher erhöht und dadurch mit Sicherheit den Verlust verringert. Ein guter Teil des Verlustes ist also als Gewinn schon vorher in den Taschen der Aktionäre gelandet – einige von ihnen dürften per Saldo ein gutes Geschäft gemacht haben.

Dazu gehört auch, daß sie sich mit der Einzahlung des Grundkapitals reichlich Zeit gelassen haben – am Ende des Geschäftsjahrs hatte die Ruhrkohle noch längst nicht alle „Kohlen“ im Keller. Sie mußte sich deshalb mehr Geld leihen, als bei voller Einzahlung notwendig gewesen wäre. Im Ruhrkohle-Haus spricht man von einem Zinsverlust in Höhe von 20 Millionen Mark.

Das laufende Jahr sieht völlig anders aus. Zwar hat dem Vernehmen nach die erste Jahreshälfte noch einmal einen Verlust gebracht, seit der Preiserhöhung zur Jahresmitte um weitere 14 Prozent stimmen die Kohlen jedoch. Die Listenpreise decken die Kosten – und wohl noch ein bißchen mehr –, die Stahlindustrie, die auf Grund eines Sondervertrages beliefert wird, zahlt für Koks und Kokskohle allerdings noch immer keinen Kostenpreis.

Immerhin hält, sich das Unternehmen selbst bei Kohlenmangel und damit günstiger Marktlage nur knapp über Wasser. Wenn der Kohlenmangel behoben ist – die nachlassende Stahlproduktion könnte dazu erheblich beitragen –, muß mit geringeren Erlösen gerechnet werden. Rationalisierungserfolge werden sich dagegen erst allmählich einstellen – die viel besungene Verlagerung der Produktion auf die kostengünstigsten Anlagen läßt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Der Bergbau bleibt deshalb auf absehbare Zeit ein Sorgenkind. hgk