Mick Jagger, Randy Newman, Ry Cooder, Merry Clayton u. a.: „Performance“; Warner Bros. BS 2554, 19,– DM

Als einen Trip in den Kopf von Mick Jagger bezeichnete Michael Goodwin den Film „Performance“ in der Zeitschrift „Rolling Stone“, als eine Paraphrase des Refrains von „Sympathy For The Devil“, der Jagger in seiner Lieblingsrolle zeigte – als den Luzifer des Rock V Roll: „Pleased to meet you / Hope you guess my name / But what’s puzzling you / Is the nature of my game.“

Die Nummer, die Mick Jagger und Keith Richard für „Performance“ geschrieben haben – „Memo From Turner – übertrifft in ihrer theatralischen Diabolik sogar „Sympathy For The Devil“. Mick prophezeit eine Zukunft, in der die Mädchen das Fleisch ihrer Mütter aus Plastiktuben essen werden, und er erzählt die Geschichte des Pop-Stars Turner, der vom unterdrückten Lederjacken-Heros zum gefeierten Idol wurde und der – Turner alias Jagger alias Turner – noch im Grabe lachen wird, wenn die Cola-Bosse ihre jährliche Convention abhalten: „Come now, gentlemen / Your love is all / crave / You’ll still be in the circus / When I’m laughing in my grave.“ Eine perfekte Stones-Nummer, in der 1968 die Stimmung des „Let It Bleed“-Albums vorweggenommen wurde.

Jack Nietzsche, der die meisten Kompositionen für „Performance“ schrieb, hat eine ungefähre Ahnung von dem, was in Jaggers Kopf vorgeht. Er kennt die Rolling Stones seit sechs Jahren; seit ihrer zweiten LP („The Rolling Stones NOW!“) hat er eine ganze Reihe ihrer Songs arrangiert und bei vielen Piano gespielt. Die Kompositionen für diesen Film entsprechen den üblichen Vorstellungen von Soundtrack-Musik (sprich: Hintergrundmusik) folglich ungefähr genauso, wie „Letztes Jahr in Marienbad dem Ideal eines Kulturfilms entspricht; nämlich überhaupt nicht.

Es sind Fragmente, die einen wüsten Alptraum, eine einzige düstere Halluzination bilden, Bruchstücke von Delta-Blues-Nummern, Sitar-Improvisationen und wütender Pamphlet-Prosa wie „Wake Up, Niggers“. Ein Album, das man als Kommentar zu der Rolle hören sollte, die Mick Jagger für die Rockmusik spielt. Franz Schüler