Von Dieter E. Zimmer

Gemessen an ihren Möglichkeiten, spielen Fernsehen und Hörfunk insgesamt und international gesehen eine noch ziemlich geringfügige Rolle als Unterrichtsmedien, trotz zvanzigjähriger Anstrengungen der UNESCO und ihres zuständigen Ressortdirektors Henri Dieuzeide.

Per Fernsehen lassen sich schließlich nicht nur Vorlesungen aus einem überfüllten Hörsaal in den Saal nebenan übertragen. Schul-, hochschul- und institutseigene Fernsehanlagen (CCTV: closed-circuit television) bewähren sich und werden sich weiter bewähren, vor allem in solchen Fächern, in denen Flüchtiges studiert werden soll: etwa in der Pädagogik zur „Unterrichtsmitschau“, in der Medizin zur Fall- und Verlaufsbeobachtung. Mit der Video-Technik können auch Situationen im Bild festgehalten werden, bei denen Filmaufnahmen stören würden, Schulstunden oder Operationen. In den USA, wo an den Hochschulen jahrelang vorwiegend mit CCTV experimentiert wurde, hat sich jedoch gezeigt, daß einzelne Ausbildungsstätten nicht imstande sind, selber ganze Fernseh-Lehrprogramme in ausreichender Qualität zu produzieren, daß die neuen Technologien auch neue Formen der Zusammenarbeit verlangen.

Und so gibt es in vielen Ländern Versuche, über CCTV-Systeme hinauszugehen.

In den USA läuft seit November 1969 ein Farbfernsehprogramm für Vorschulkinder, „Sesame Street“. Es ist vor allem den unterprivilegierten Kindern der Großstädte zugedacht und soll die Bildungsunterschiede und damit die unterschiedlichen Startchancen noch vor der Einschulung einebnen helfen. Finanziert von der Bundesregierung und privaten Stiftungen, nimmt es „Sesame Street“ mit jener kostspieligsten aller TV-Gattungen auf, die amerikanischen Kindern die liebste ist, dem Werbespot. Was die zwölf bis höchstens neunzig Sekunden langen trickreichen Spots des täglichen Einstundenprogramms verkaufen, ist: das Alphabet, sind: Zahlen, Wortschatzübungen, Toleranz-Appelle.

„Sesame Street“ hat sich überraschend als eine der erfolgreichsten amerikanischen Fernsehsendungen überhaupt erwiesen. 300 Stationen haben sie ausgestrahlt, die Hälfte der amerikanishen Vorschulkinder hat sie regelmäßig gesehen. Pädagogen, liest man, sagen den Grundschulen Probleme voraus, wenn die helle „Sesame Street-Generation“ bei ihnen eintrifft. Der Erfolg hat Autoren und Finanziers bewogen, das Programm aus der nichtkommerziellen TV-Kette National Educational Television (NET) herauszunehmen und selbständig zu machen, sowie ein zweites „Sesame Street“-Programm für Sechs- bis Zehnjährige zu planen. Außerdem sollen auch andere Medien für „Sesame Street“ eingespannt werden: Bücher, Comics, Platten, Spiele und Spielzeuge.

In Brasilien, in der Gegend um Rio, bezieht seit 1958 eine Alphabetisierungs-Kampagne Fernsehlektionen mit ein.