Ein Preisstopp kuriert nur an den Symptomen einer kranken Wirtschaft. Er ist der letzte Schritt vor dem wirtschaftspolitischen Offenbarungseid

Aamtliche Lohn- und Preisstopps kommen wieder einmal in Mode. Die Schweden, die Dänen und jetzt auch die Iren suchen darin Heil vor der schleichenden Inflation.

Und in Großbritannien, das so schlechte Erfahrungen mit dieser Politik gemacht hat, setzte sich kein Geringerer als Sir Leslie O’Brien, Gouverneur der Bank von England, für eine Renaissance dieser Praxis ein.

Lohn- und Preisstopps sind verführerisch. Ihre volle Wirksamkeit vorausgesetzt, lösen sie das Problem, das die Regierungen aller Industrieländer vollauf beschäftigt: Sie stoppen schlagartig die säkulare Inflation einer vollbeschäftigten Wirtschaft.

Der Haken daran ist nur, daß sich so etwas in einer Marktwirtschaft nicht durchsetzen läßt, wie konservative und sozialistische Regierungen in England erfahren mußten. Doch selbst wenn es einer Regierung gelänge, den Stopp lückenlos durchzusetzen, so wäre damit vielleicht auf kurze Zeit etwas gewonnen – auf lange Sicht nicht:

Exzessive Lohn- und Preissteigerungen sind ein Symptom, nicht die Ursache dafür, daß in der Wirtschaft und in der Wirtschaftspolitik etwas nicht stimmt. Sie sind ein Beweis für das wirtschaftspolitische Versäumnis einer Regierung, den Boom vor dem Heißlaufen zu bewahren.

Was hat dann der Versuch für einen Sinn, den Patienten mit Wadenwickeln von seinem hohen Fieber herunterzubringen, wenn der Fieberherd nicht beseitigt wird? Das Fieber wird später nur um so heftiger sein.