Diese Todesnachricht kann niemand überraschen: Der gemeinsame Expertenkreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der die westdeutsche Lohn- und Gewinnentwicklung der vergangenen Jahre untersuchen sollte, hat sich aufgelöst. Er hatte noch keinerlei Ergebnisse erarbeitet.

Das Gremium ist auseinandergebrochen, nachdem der DGB die Beziehungen der Sozialpartner übermäßig strapaziert hatte – so BDA-Präsident Otto A. Friedrich. Seine Organisation empfand die jüngst veröffentlichten Anzeigen des DGB, in denen von Profitsucht der Unternehmer die Rede war, als beleidigend. Der DGB macht dagegen die mangelnde Informationsbereitschaft der Arbeitgebervertreter über die Gewinnsituation der deutschen Wirtschaft für das vorzeitige Ende der Untersuchungen verantwortlich. Viel Gelegenheit dazu war allerdings nicht geboten. Das Gremium hat nur dreimal getagt.

In jedem Falle ist die Auflösung des Kreises bedauerlich. Gerade jetzt, wo sich die wirtschaftspolitischen Prognosen der Gewerkschaften und der Arbeitgeber für das Jahr 1971 sehr nahe gekommen sind, wäre eine Versachlichung der Tarifpolitik wieder möglich. Lohn- und Gewinnanalysen der letzten Jahre könnten dem dienen. So aber könnte nun auf den hitzigen Verteilungskampf der letzten anderthalb Jahre ein kalter Krieg der Tarifpartner folgen. pl