BMW hat seine Marktchancen überschätzt

Von Martin Burg

Für Paul G. Hahnemann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Motoren Werke AG in München, war es schon immer eine besondere Freude, VW-Chef schon Lotz eins auszuwischen. Der BMW-Chefverkäufer – im lebenslangen Umgang mit Automobilhändlern lebenslangen und ruppig geworden – fand in der vergangenen Woche wieder einmal Anlaß, gegen Lotz vom Leder zu ziehen.

Der VW-Chef hatte, so sieht es zumindest Hahnemann, die Sicherheitsauto-Initiative des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie in einen „Gag“ für VW umgemünzt. Hahnemann: „Für mich ist das ein echter Lotz, ich habe schon manche in dieser Art erlebt. Ich werde ihn dazu zwingen, daß er das Auto selbst zahlt, wenn er solche Sprüche macht. Das ist nicht des feinen Mannes Art.“

Hahnemann machte mit seiner harten Kritik mal wieder Schlagzeilen, und Wolfsburg versicherte eilends, daß VW die Mitarbeit an einem gemeinsamen europäischen Sicherheitsauto auf keinen Fall aufkündigen wolle. Doch zu diesem Zeitpunkt machte das Thema VW und BMW schon in anderer Hinsicht neue Schlagzeilen: Das Volkswagenwerk, so wollte es die Börse wissen, habe bereits 41 Prozent des BMW-Kapitals in Händen. Unverzüglich kam aus Bad Homburg, wo gerade zusammen mit anderen Chefmanagern der Quandt-Gruppe auch BMW-Vorstandsvorsitzender Eberhard von Kuenheim und Hahnemann an einer Konzernbesprechung teilnahmen, ein Dementi: Es sei keine Rede davon, daß der Großaktionär der Münchner Automobilfirma sein Paket durch Abgaben an VW geschmälert habe.

Ohne Mithilfe Quandts aber könnte das Volkswagenwerk auf keinen Fall bei BMW zu Einfluß kommen. Denn es gilt als sicher, daß Konzernchef Dr. h. c. Herbert Quandt zusammen mit Firmen seiner Gruppe über mehr als 50 Prozent des BMW-Kapitals verfügt und einschließlich des Anteils der befreundeten Gerling-Gruppe nicht mehr weit von 70 Prozent entfernt ist. Auch Daimler-Benz und Flick wurden wieder einmal als Liebeswerber um BMW hochgespielt. Aus der Umgebung Quandts heißt es dazu, es wäre von ihm „absolut töricht“, wenn er jetzt sein Paket verkaufen würde. Denn es werde im Laufe der Zeit nur noch wertvoller.

Hahnemann waren die Gerüchte möglicherweise gar nicht unwillkommen. Er fand eine Gelegenheit, von seinen eigenen Problemen etwas abzulenken. Denn es läßt sich nicht mehr verheimlichen, daß die Geschäfte der bayerischen Automobilbauer nicht so gehen, wie sie gehen sollten: In München hat man sich verrechnet.