DIE ZEIT

Jagd frei?

Die politischen Wochenmagazine des Fernsehens waren schon immer ein Stein des Anstoßes. Nicht für die Zuschauer, die diese meist scharfen Einlagen in der sonst eher faden Fernsehkost genießen, wohl aber für die Parteien.

Überrollt uns die Lohnwelle?

Die wirtschaftspolitischen Schwächen der Bundesregierung in der Zeit der konjunkturellen Überhitzung beginnen sich jetzt, da der Boom abflaut, zu rächen.

Späte Korrektur

Je näher der 2. November rückt, an dem der Bundesaußenminister den zweiten ostpolitischen Vertrag in Warschau paraphieren will, desto schroffer reagieren die Polen auf alle Erklärungen, die einem Grenzübereinkommen nur vorläufigen Charakter geben wollen.

Auf denn!

Am 13. Oktober begann ein neues Kapitel in der deutschen Pressegeschichte. An diesem Tag haben die Sex-Blätter von St. Pauli samt ihren bundesweit verbreiteten Bekanntschaftsanzeigen die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften unbehelligt passiert.

Ein Jahr ist nicht genug

Es schoß niemand Salut. Der erste Geburtstag der sozialliberalen Koalition bot keinen Anlaß zum Jubeln. Denn bevor irgend etwas wirklich in Fluß gekommen war, so schien es, war alles schon wieder ins Schwimmen geraten.

Der Haß ist ihre Droge

Als die Agenten des amerikanischen Bundeskriminalamtes FBI in das Zimmer des Howard-Johnson-Motels eindrangen und ihr Handschellen anlegten, sah Angela Davis ganz anders aus als auf den Steckbriefen, mit denen seit zwei Monaten nach ihr gefahndet worden war.

Aufstand der „weißen Neger“

In Montreal kündigt sich der Winter an. Während der letzten Nächte sind die Temperaturen auf den Nullpunkt gesunken. Aber es ist nicht die plötzliche Kälte, die die Bewohner der großen Städte Kanadas schaudern macht.

ZEITSPIEGEL

Die Opposition ist im neuen Bundestag gut zu Wort gekommen. Von den 853 Reden, die bisher gehalten wurden, entfallen auf die Union 388, auf die SPD 283, auf die FDP 187.

„Sie leben falsch“

Während sie sich aus wirtschaftlichen Gründen um eine Liberalisierung ihrerBeziehungen nach außen bemüht, unterdrückt die Kreml-Führung im Inneren nach wie vor jede freiheitliche Regung.

Nun demonstriert auch die Polizei

Unfreiwilliger Hohn in Frankfurt und Bonn: Demonstrationskolonnen und Transparente, Flugblätter und Verkehrsblockade erinnerten streckenweise an die Proteste vergangener Jahre.

Ungewißheit in Indochina

Nach fast einem Jahrzehnt der Eskalation und verbissener Kämpfe vermag noch niemand in Indochina die Zahl der Opfer zu überblicken.

Mit Millimeterstiefeln

Die Studenten sind müde geworden. Für Vietnam gehen sie nicht mehr auf die Straße, auch in Amerika nicht. Es gibt Tage, da steht in großen deutschen Zeitungen nicht eine einzige Zeile über den Krieg in Indochina.

Der Spuk von Reggio

Wir schlagen euch die Köpfe ein, ihr Verräter! Das war noch eine der harmlosen Drohungen, die jene sozialistischen und kommunistischen Stadträte zu hören bekamen, die sich letzten Freitag anschickten, in einemvom Straßenmob besetzten Rathaussaal von Reggio di Calabria ihre ohnehin zaghafte, in Lokalpatriotismus verpackte Opposition anzumelden.

Polen bedrängen den Vatikan

Wider Erwarten sind die polnischen Katholiken, die gegenwärtig heftig an die Pforten des Vatikans pochen, einem Hindernis begegnet, das seit dem Besuch Willy Brandts beim Papst an Bedeutung verloren zu haben schien: den Sympathien des deutschen Episkopats für die christ-demokratische Opposition in Bonn.

Kein Fortschritt ohne Demokratie

Ich benutze sehr gern die mir gebotene Möglichkeit, vor den Lesern dieser angesehenen Zeitung Probleme zu behandeln, die nicht nur das Schicksal meiner Heimat berühren, sondern auch für die westeuropäischen Völker und ihre Zusammenarbeit von großer Bedeutung sind.

Protest gegen die Obristen

Die griechische Militärdiktatur rühmt sich, sie habe dem Volk der Hellenen die wahre Demokratie beschert und den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes eingeleitet.

Eine Lehrstunde

Professor: Ich stelle erfreut fest, daß Ihr Verständnis für die demokratischen Spielregeln einen hohen Standard erreicht hat.

Moskauer Friedensplan für Nahost

Der neue sowjetische Plan für eine Friedensregelung in Nahost (siehe Dokumente der ZEIT) hat die Phase der Stagnation der Nahostgespräche beendet, die seit dem Tode Nassers herrschte.

UN-Jubiläum ohne Glanz

Ohne Glanz und Feierlichkeit begannen die Vereinten Nationen die zehntägige Vollversammlung aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens.

Peking: Nein zu Nixon

Als ein „plumpes Betrugsmanöver“, mit dem der „Häuptling des amerikanischen Imperialismus“ die Weltöffentlichkeit zu täuschen versuche, bezeichnete die Renmin Ribao, das Sprachrohr Pekings, in der vergangenen Woche die neue Vietnaminitiative Nixons.

Dokumente der ZEIT

Gegenwärtig ist es besonders wichtig, in zwei Hauptpunkten der Regelung eine feste Linie zu vertreten – dem Abzug Israels von allen 1967 okkupierten arabischen Territorien und der gleichzeitigen Herstellung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten.

Kaunda hatte wenig Erfolg

Ein unerfreuliches Ende nahm die Reise des sambischen Präsidenten Kenneth Kaunda durch mehrere europäische Hauptstädte......

USA-UdSSR: Keine Annäherung

In der Nahost- und der Berlin-Frage gibt es keine spürbare Annäherung der amerikanischen und sowjetischen Standpunkte. In zwei Gesprächen, die die Außenminister Rogers und Gromyko in den letzten Tagen in Washington führten, wurden die alten Positionen verdeutlicht.

Mit gestutzten Flügeln in die Wahl

Eine Faustregel der amerikanischen Innenpolitik lautet: In den Kongreßwahlen, die in der Mitte der Amtszeit des regierenden Präsidenten abgehalten werden, büßt seine Partei Sitze ein, und die Oppositionspartei erzielt Gewinne.

Manöver-Pathos in der DDR

Ihr unterscheidet euch in euren Uniformen und in der Sprache. Doch ihr seid einig im Denken und Handeln, denn: Klassenbrüder sind Waffenbrüder! An dieser Einheit wird jeder Feind zerschellen.

Kaunda plädiert in Bonn

Zwischen den Herren fielen keine erregten Worte: Willy Brandt erklärte seinen afrikanischen Gästen, warum die Bundesrepublik gegen die privaten Investoren, die sich am Staudammprojekt Cabora Bassa in Mozambique beteiligen, keine rechtliche Handhabe besitzen.

Ungeliebter Verräter

Seit der hessische CDU-Landesvorsitzende Alfred Dregger im Sitzungssaal der Parteizentrale in der Frankfurter Schillerstraße unter einem Adenauer-Bild (das Gewinnerlächeln von Fernsehscheinwerfern sorgfältig ausgeleuchtet) ankündigte, Erich Mende werde sich selbstverständlich noch vor der Landtagswahl politisch betätigen, ist für Hessens Journalisten höchste Alarmstufe: Der ehemalige FDP-Vorsitzende bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Unions-Christ – das will sich keiner entgehen lassen.

Die Weichkocher von Berlin

Wir zitieren den Polizeipräsidenten aus einem Interview, das er der Berliner BZ gab, und aus einem Gespräch, das er mit einem Reporter der Welt führte, in dem seine Aussagen wörtlich wiedergegeben werden.

Fernsehen: Einer wird gejagt

Der Film war kaum ausgeblendet, als schon Volkesstimme herausgefordert wurde: „Bild“, versteht sich, fragte prompt: „Was meinen Sie? Reizte dieses Fernsehspiel zum Mord oder sollte es die Zuschauer vielleicht nur auf ihre eigene Sensationslust hinweisen.

Büchnerpreis 1970: Hurra, wir gehen unter!

In Thomas Bernhard hat die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung wiederum einen unserer wichtigsten Schriftsteller zum Büchner-Preisträger gemacht, und nicht nur einen der wichtigsten, sondern einen, dem eine solche Auszeichnung wirklich noch helfen kann.

Anmerkungen zur Integrität

Herausgegriffen auch, um zu fragen: Was ist zu preisen an einem Schriftsteller? Dieser Schriftsteller sagt: „Die Wörter infizieren und ignorieren, verwischen und verschlimmern, beschämen und verfälschen und verkrüppeln nur; aus dem Mund und auf dem Papier mißbrauchen sie durch ihre Mißbraucher.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: Das Weltchen der Françoise Sagan

„Ein Klavier auf dem Rasen“, so heißt das sechste Bühnenstück der Françoise Sagan, deren fünf Romane (so wie gerade jetzt „Ein bißchen Sonne im kalten Wasser“) von Anfang an, also seit „Bonjour Tristesse“, auch in Deutschland Verkaufsschlager waren, wohingegen die französische Autorin auf dem deutschen Theater über einen kleinen Achtungserfolg (mit „Ein Schloß in Schweden“) nicht hinausgekommen ist.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Lenin im Oktober“ (1937), von Michail Romm, West III am 24. Oktober. „Die Erde bebt“ (1948), von Luchino Visconti, Bayern III am 24.

Killer, Rebellen und ein Heiliger

Das Fließband des antiteaters läuft unermüdlich weiter, man kommt kaum noch nach. „Götter der Pest“, Rainer Werner Fassbinders schönster und gelungenster Film, läuft noch in den Kinos, der farbige Breitwand-Western „Whity, Engel des Todes“ läuft demnächst an, in Mannheim wurde vor zwei Wochen „Der amerikanische Soldat“ uraufgeführt, und am nächsten Montag strahlt das Erste Programm die „Niklashauser Fart“ aus.

Staatsstreich als Gesellschaftsspiel

Um das Fazit vorwegzunehmen: das ist eine ebenso spannende wie erhellende Klassikerinszenierung, die drei Realitätsebenen ineinander spiegelt: die historische des Stückes, die aktuelle seines Gegenstandes, die formale der Bühne.

Massenbildung und Elitebewußtsein

Im Bildungsbericht werden für das Jahr 1980 eine Million Studenten prognostiziert. Das bedeutet; In zehn Jahren muß es dreimal so viele Studienplätze wie heute geben.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Als einen Trip in den Kopf von Mick Jagger bezeichnete Michael Goodwin den Film „Performance“ in der Zeitschrift „Rolling Stone“, als eine Paraphrase des Refrains von „Sympathy For The Devil“, der Jagger in seiner Lieblingsrolle zeigte – als den Luzifer des Rock V Roll: „Pleased to meet you / Hope you guess my name / But what’s puzzling you / Is the nature of my game.

Sportsleute

Nach der Devise: Billig, aber doch etwas Besonderes, werden die Deutschen zu einem Volk von Kunstsammlern umfunktioniert. Schrittmacherdienste leistet dabei der Poster-Boom, der als Billig-Markt eine Art Schlüsselposition einnimmt.

Stichwort: Unterrichtstechnologie (3): Die Schule kommt ins Haus

Gemessen an ihren Möglichkeiten, spielen Fernsehen und Hörfunk insgesamt und international gesehen eine noch ziemlich geringfügige Rolle als Unterrichtsmedien, trotz zvanzigjähriger Anstrengungen der UNESCO und ihres zuständigen Ressortdirektors Henri Dieuzeide.

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